Halde Hoheward im Februar


Die Zeche Ewald

So auch heute wieder. Kandidat halbstark, mit Streetfighter Optik, steht an der Ampel und glotzt. Ich würde es nicht so schreiben, wenn es nicht so gewesen wäre, daher muss ich sagen: glotzt! Die Ampel wird gelb, das linke Bein macht den Antritt und als das rechte Pedal den Fuß berührt, klickt das Pedal umgehend in den Schuh ein. Ein Musterstart! Der letzte Gang ist schnell erreicht und die 25 km/h Topspeed des Rollers reichen nicht aus um mich bis zu der nächsten Ampel einzuholen. Das Gesicht unter dem Helm: Göttlich! Wenn man sich jetzt keine Blöße geben möchte, tut man noch etwas abgelenkt, spielt am Handy und verpasst so ganz ausversehen die nächste Gelbphase und lässt den Roller passieren. Es geht ja nun auch bergauf, da sieht man nicht mehr so gut aus.


Oben angekommen

An der Halde angekommen, hat man die sprichwörtliche Qual der Wahl. Die Halde bietet viele verschiedene Möglichkeiten sie zu besteigen. Man kann es Hardcore haben und dem zick zack Weg folgen, man kann es gemütlich angehen und mehrfach um die Halde herum radeln und so nach und nach immer mehr Höhenmeter bewältigen. Man könnte sagen: Alles geht, nix muss. Ich brauche noch Kondition, da der Winter und vor allem Weihnachten noch auf den Hüften in den Knochen steckt. Sei es drum, ich habe ja Ziele für 2015. Wenn man so um die Halde radelt, sieht man nach und nach eine Menge Sachen aus seinem Revier. Man kann im Kopf auch so herrlich schön abschalten und sich auf die Musik und sich selber konzentrieren. Etwas irritierend ist es dann jedoch, wenn man plötzlich neue Straßen und Wege findet, die vor dem Winter noch nicht da waren.


Mein“ Revier

Das liegt daran, dass die Halde ständig im Wandel ist. Ständig werden neue Erdmassen hinzugefügt und so verändert sich das gewohnt doch überraschend schnell zum unbekannten. Aber das ist kein Nachteil, denn die Stadt scheint hier Geld in die Hand zu nehmen und teert Straßen und schafft Platz für neues. Ich bin sehr gespannt, wie es schon ende des Jahres hier aussehen wird. Ist man aber endlich oben angkommen und das Wetter spielt mit, hat man einen herrlichen Ausblick auf die Region, „mein Revier“.


Ein herrlicher Sonntag im Februar

Mein erstes Ziel ist eigentlich immer zunächst das Plato mit der Sonnenuhr. Frag mich nicht wieso, aber ich fahre irgendwie immer zuerst dort hin, verweile dann für einen Moment an der Uhr oder den anliegenden Bänken und genieße den Moment. Klingt philosophisch, ist aber eigentlich eher den Konditionsproblemen geschuldet, die einen doch hin und wieder auf den Boden der Tatsachen zurück bringen. Aber gut, ich übertreibe. Wenn etwas Nebel auf dem Ruhrpott liegt, hat die Aussicht etwas Magisches. Nach einem obligatorischen Foto geht es dann weiter, zum zweiten Plateau mit dem Observatorium. An der Östlichen Spitze verweile ich für gewöhnlich erneut, bevor ich den kleinen Trail zur raschen Abfahrt anfahre.


Nicht zu unterschätzen: schlammiger Untergrund

Heute aber nicht. Ich fahre zunächst etwas zurück und entscheide mich für einen herkömmlichen Weg zurück nach unten. Ich kenne mein neues Bike noch nicht so gut, dass ich gleich 100 % geben möchte, werde dann aber doch schwach, als ich den zweiten Einstieg ins Gebüsch finde, in dem ich sonst immer verschwinde. Also Lenker rum und rein! Es geht auch alles gut, die Abfahrt ist ok. Als ich mich noch durch einen kleinen Pfad schlängle passiert es. Im Bruchteil einer Sekunde denke ich bei mir: „Hmmm, ziemlich schlammig hier, ich habe hinten ja kaum Gripp, vielleicht gehe ich mit den Schuhen besser aus den Klickies…“ und ZACK, liege ich im Matsch. „…raus!“ hat noch gefehlt. Aber da war es schon zu spät. Wie ein Ninja sprang ich wieder auf, schaute mich um… Hat keiner gesehen! Puh. Das Rad hat auch nichts abbekommen, also weiter.


Irgendwas nimmt man immer mit

Nachdem ich die Bindung zu meinen Pedalen unterbrochen habe, macht es gleich mehr Spaß, denn das Hinterrad tanzt durch den Schlamm und verlangt einem schon etwas Arbeit ab. Für Profis sicher langweilig, für mich aber schon Spaß und darum geht es ja auch in erster Linie. Als der Trail beendet war, schaute ich mir das Bike an. Tjoa, das muss wohl gewaschen werden und ich wohl auch. Gut nur, dass man Schlamm nicht sofort gut erkennt, auf einem dunklen Rahmen. Aber ich sag Dir, einen Tag später sah das Ding gleich viel dramatischer aus, weil trockenen Schlamm erkennt man gleich viel besser!

Kann man so, oder so fahren

Wenn ich die erste Abfahrt mal Revue passieren lasse, merkt man schon einen deutlichen Unterschied zu den Fullys, mit denen ich sonst hier herunter gefahren bin. Wie schon gesagt, ich bin ja noch Anfänger was das Biken angeht und mir fehlt es noch an Orientierungsmöglichkeiten in Sachen Einstellungen am Dämpfer usw. Einzig der Vergleich zwischen 26“, 27,5“ und 29“ ist mir bekannt, weil ich ja innerhalb kürzester Zeit alle Räder mal gefahren bin. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Mit dem Hardtail sind halt doch eher Touren, Trails und Distanzfahrten drin, als Downhill. Aber das will ich ja auch nicht. Noch nicht.


Runtastic Grafik

Den Heimweg habe ich dann über die alten Gleise angetreten. Ein komisches Gefühl, denn es ist noch nicht so lange her, dass hier noch Schienen lagen und man hier nichts zu suchen hatte. Aber heute, alles kein Problem. Nach der kleinen Schotterstrecke ging es wieder auf eine der Fahrradwege in Richtung Heimat. Ein schöner Tag, auf dessen Wiederholung ich mich schon sehr freue.