Castrop-Rauxel Chaos-Tour

Eine weitere Hardtailtour ist gefahren und es war eine kleine Chaos-Tour für mich. Mit dem Rotwild ging es in Richtung Castrop-Rauxel. Gewählt hatte ich eine bekannte Route, mit der Option auf etwas Scouting. Um die 20 km sollten es werden, an einem Samstag, bei frischen 3 °C und leichtem Nieselregen. Beste Bedingungen also für eine herrliche Mountainbike Tour, ohne viel Publikum.

Erste Etappe, ab zum Kanal

Nach dem Frühstück machte ich mich auf, packte meine Sachen, sattelte das Mountainbike und mache mich auf in Richtung Castrop. Als erstes Etappenziel sollte der Rhein-Herne-Kanal auf mich warten. Er eignet sich immer hervorragend als Transferstück oder Landmarke zur Orientierung. Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass es hier auch mal ordentlichen Gegenwind geben kann, aber das steht in einer andren Geschichte.

Zunächst führte mich mein Weg aber in Richtung Emscher, von welcher aus ich über Schleichwege und einen Spielplatz nach 3,7 Kilometern den Kanal erreicht hatte. Der Wind stand günstig und so hatte ich nach weiteren 2,8 Kilometern meinen ersten Fotospot erreicht, das Schloss Bladenhorst (Siehe Eröffnungsfoto)

Entlang des Rhein-Herne-Kanals

Wenn man am Schloss vorbeikommt, muss man anhalten und ein Foto machen. So will es das Gesetz und mal ehrlich, das Schloss ist ja eigentlich auch ein echter Hingucker. Es steht für mich, stellvertretend für die Vielseitigkeit und Abwechslung hier im Ruhrgebiet. Lange vorbei sind die Zeiten, wo Industrie und Kohlestaub die Region verdreckt hinterließen. Heute hast Du Halden, Wälder, Schlösser und Industriekultur, direkt neben belebten Innenstädten und Einkaufszentren. Hat auch nicht jeder!

Das fängt ja gut an!

Nach dem Schloss kommt ein Bahnübergang mit „Glückauf-Schranken“. Glückauf-Schranken? Ja, wenn Du Glück hast, sind sie auf! Meistens hat man aber Pech und sie sind unten. So auch heute wieder. 5 – 6 Minuten Wartezeit sind hier durchaus keine Seltenheit. Ich nutze die Gelegenheit, um mir den Nieselregen von meiner Brille zu putzen.

Dabei habe ich aber wohl etwas zu viel Druck ausgeübt, denn ich brach mir kurzerhand das Brillenglas aus der Fassung. Ich war fassungslos. Okay, schlechtes Wortspiel. Zunächst dachte ich, ich hätte das Glas nur aus der Fassung gebogen und könnte es einfach wieder zurückdrücken oder so. Du kennst das sicher. Aber ich stellte leider fest, dass ich mir was abgebrochen habe und diese Brille nun der Entsorgung zugeführt werden müsse. Ärgerlich, aber das war eine meiner ersten Brillen und dass sie überhaupt bis heute ausgehalten hat, grenzt an ein Wunder. Danke UVEX.

Rein ins Castroper Holz

Bis hier hatte ich bereits 7 Kilometer und eine defekte Brille zu verzeichnen. Doch nun erreichte ich das Castroper Holz, welches ich von der Nordseite befuhr. Bei dem Stadtwäldchen handelt es sich um ein 135 Hektar großes Gebiet, durchzogenen, von mal breiten, mal schmalen Wegen. Das Waldgebiet liegt am Deinighauser Bach, welcher später auch noch an der ehemaligen Schachtanlage Zeche Victor Schacht 6 vorbeikommt. Das dortige Waldgebiet ist auch sehr spannend, aber dazu später mehr.

Man sollte die Wege hier nicht verlassen. Zum einen gibt es hier keine Trails, die geduldet oder legal sind und aufgrund des durch Bergsenkungen ansteigenden Grundwassers weisen die älteren Buchen häufig Wurzel- und Holzfäule auf. Sie sind deshalb windwurfgefährdet. Spannend auch, die dortigen älteren Baumbestände bis zu achtzig Prozent durch Bombensplitter aus dem Zweiten Weltkrieg geschädigt. (Quelle: RVR)

Auf den Spuren der Grünen Acht

Was für mich viel spannender ist, ist die Grüne Acht. Dabei handelt es sich um einen rund 44 km langen Radweg, welcher fast über das gesamte Stadtgebiet von Castrop-Rauxel verläuft. Auf der Tour findet man allerhand Sehenswürdigkeiten und eine überraschend vielfältige Landschaft, sowie Industriemuseen. Mich juckt eine Dokumentation des Radwegs schon eine Weile und in diesem Jahr will ich das angreifen.

Ich erinnere mich immer wieder an diese Idee, wenn ich durch den Wald hier komme, denn hin und wieder stolpert man über diese Hinweisschilder. Aber ich warte erst, bis die Tage wieder länger sind und hey, ich brauche ja auch noch reichlich Kondition für so eine Tour. Im Moment ist bei rund 30 km Schluss, Tendenz aber steigend.

Die Grüne Acht in Castrop

Auf nach Teutoburgia

Nachdem ich im Castroper Holz meine Runden gedreht hatte, spuckte mich das Wäldchen am Westring wieder aus, einer Verbindungsstraße, welche mich wieder zum Bahnübergang führen würde. Aber ich wollte die Westseite der Gegend noch etwas erkunden und so passierte ich die Straße und rollte in Richtung Landwehrbach. Hier wird der Wald ein wenig lichter und es mehren sich die Felder der Landwirtschaft.

Auf einem Wegweiser entdeckte ich die Aufschrift „Teutoburgia 1,1“ und das machte mich neugierig. Ich entschied spontan, mir das mal anzusehen. Um mein Ziel zu erreichen, musste ich eine kleine Brücke überqueren, welche die Autobahn A42 überquerte. Doch noch bevor ich das tat, entdeckte ich einen Wirtschaftsweg, welcher vor der Brücke vielversprechend abzweigte, um dann neben der Autobahn zu verlaufen.

Das machte mich noch neugieriger.

Also verwarf ich mein Plan und bog ab. Ich fuhr rund 1 km neben der A42 entlang, passierte den Rastplatz Lusebrink, samt angeschlossenem Waldstückchen. Hier entdeckte ich viele unzählige Trampelpfade, welche im Wäldchen verschwanden. Doch ich glaube nicht, dass diese Pfade für Biker gedacht waren. Eher für einsame Herzen auf der Suche nach schneller Liebe. Also nix wie weiter!

Der Weg wurde immer weicher. Klar, es hatte ja auch lange geregnet. Zudem machte der Weg den Eindruck, dass hier schon lange niemand mehr mit einem Boden verdichtenden Gefährt entlang gekommen sei. Mein Hinterrad machte jedenfalls nur noch das, worauf es selber Lust hatte. Es tanzte nur so hin und her und wurde zum Spielball der Gegebenheiten.

Als ich dann am Ende des Weges angekommen war, stand ich auf einem Feld.

Toll. Ein Feld. Ich fahre nicht über Felder! Zurück war auch keine Option, also orientierte ich mich per Komoot App. Ganz in der Nähe sollte ein Wanderweg sein. Nur, ob ich den vom Feld aus erreiche? Für gewöhnlich sind Felder ja eingezäunt. Und wie ich schon schrieb, ich fahre nicht über Felder. Aber dieses schien mir noch nicht bestellt gewesen zu sein und außerdem entdeckte ich einen Trampelpfad, auf dem ich guten Gewissens mein Glück versuchen könnte.

Also setzte ich mich in Bewegung und erreichte die Böschung, welche mich auf den vermeintlichen Wanderweg führen wird. Doch wie ich schon vermutet hatte, das Feld war eingezäunt. Doch umkehren? Nein, denn die Natur sprang mir zur Hilfe. Es muss schon eine Weile her gewesen sein, dass der Wind einen Baum umgeschmissen hatte, welcher dann den Zaun zu Boden drückte und den Weg freigab.

So entstand eine riesen Lücke im Zaun, welche ich nutzen konnte und schon befand ich mich auf einem kleinen Wall, mit Reifenspuren. Vielversprechend, dass es nun hier weitergehen würde. Aber ich empfehle Dir keineswegs, die Strecke so nachzufahren, wie ich sie bei Strava aufgezeichnet habe.

Kurzer Bikecheck: War ne Matschige Angelegenheit. Die Maxxis Aspen haben hier keinen Spaß gemacht. Mit den Minion DHR meines Enduros wäre das sicher eine noch üblere Schlammschlacht geworden!

Zurück zum Wegweiser

Ich entschied mich dafür, meinen Weg in Richtung Norden fortzusetzen. In der Ferne konnte ich ein Windrad erkennen, welches ich als ein mir bekanntes am Kanal identifizierte. Rückblickend hätte ich auch einfach kurz in Richtung Westen fahren können und wäre rasch wieder in der Zivilisation gewesen. Dann hätte es vermutlich aber auch nicht mit den angepeilten 20 km + geklappt.

Ich fuhr als rund 600 m in Richtung Norden und fand mich auf einer Baustelle wieder. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber ich fuhr mal weiter. Der Weg gabelte sich und wurde wieder zudem auch wieder fester. In der Ferne konnte ich jemanden mit einem Hund erkennen.

Da ich mir aber nicht sicher war, ob ich hier auf einer legalen Straße war, wollte ich einer Diskussion aus dem Weg gehen und bog kurzerhand auf den befestigten Teil des Weges ab. Nach 800 Metern fand ich mich am Ausgangspunkt an der Brücke wieder, wo ich zuvor waghalsig in Richtung der A42 abgebogen war.

Im Nachhinein hätte ich doch in Richtung Mensch mit Hund fahren sollen. Denn die Straße dort war ein öffentlicher Raum und hätte mich direkt zum Bahnübergang geführt, ganz in der Nähe des Schlosses.

Als ich die kleine Brücke zu meinem Ausgangspunkt herunterrollte, stellte ich ein seltsam weiches Gefühl auf der Hinterachse fest. Fühlt sich an, wie ein Platten. Natürlich ein Platten, warum auch nicht. Nach der kaputten Brille musste auch noch ein kaputter Reifen her.

Wie es der Zufall so wollte, hatte ich eine kleine Luftpumpe in meinem Hip Pack. Damit war der Reifen in nur 200 Stößen wieder auf einen akzeptablen Druck gebracht. Als ich die Pumpe wieder vom Ventil drehte, wunderte ich mich, warum es denn so schwer ging. Ein lautes Zischen verriet mir, dass ich das Innenleben des Ventils herausgedreht hatte. Der Reifen war jedenfalls binnen von Sekunden leer!

Ohne Werkzeug war es mir nicht vergönnt, das Ventil ohne nennenswertes Fluchen aus der Pumpe zu drehen. Es gelang mir dann letztendlich doch, auch wenn ich schon kurz über einen Abbruch der Tour nachgedacht habe. Doch wenn ich jetzt meine Frau anrufe, darf ich sicher nie wieder alleine vor die Tür. Erst die Achillessehne und dann schon wieder ein technischer defekt. Sicher würde sie mir intensiv das Schachspielen nahelegen, statt dem Mountainbiken!

Dann die Erlösung. Das Ventil löst sich und kann wieder seinen Platz in der Hülse einnehmen. Es braucht fast 400 Stöße, bis der Reifen aufgepumpt ist und ich trete meine Heimreise an.

Tubeless regelt, oder nicht?

Ich fahre nun schon etwas längere Zeit Tubeless und bereue es nicht. War ich doch anfangs eher negativ auf diese Technik zu sprechen, hat sie sich für mich bewährt und gehört inzwischen eigentlich zur Grundausstattung meiner Bikes, wenn technisch machbar. Doch in diesem Fall hatte ich kein Glück. Die Milch konnte das Loch nicht schließen und so war nach 1,2 km der Reifen wieder so platt, dass es kein Spaß machte damit zu fahren.

Ich inspizierte den Mantel nach offensichtlichen Schäden, wurde aber nicht direkt fündig. Neuerdings habe ich auch ein Tubeless Reparaturset in meinem Hip Pack dabei und überlegte kurz, ob es zum Einsatz kommen sollte. Zunächst entschied mich aber dagegen, da ich ja kein Loch identifizieren konnte! Ich hoffte darauf, dass die Milch das Problem jetzt lösen würde, wenn die Wege weniger schlammig und nass sein würden.

Ich spendierte dem Aspen nochmal 200 Luftstöße und dann ging es zurück.

Mein Rotwild

Wieder zu Hause

Auf dem Heimweg musste ich noch ein weiteres Mal halten, um Luft nachzupumpen. Im Nachhinein ist mir klar, warum das nicht funktioniert hat. Die Milch ist alt. Ich hatte sie einige Wochen vor meinem Unfall im August nachgefüllt und entweder ist nicht mehr genug drin, oder sie muss mal gewechselt werden.

Denn das Loch, welches ich zu Hause identifizieren konnte, war so klein, dass es für gewöhnlich kein Problem für die Tubeless Milch von Muc-Off ist. Das Tubeless Rettungsset hätte auch nichts gebracht, weil die Milch sicher auch das nicht hätte abdichten können.

Egal, es ist ja wieder alles gut gegangen, wenn es auch diesmal etwas chaotisch zugegangen ist. Aber das macht ja auch diese Touren aus, oder?

Am Ende standen 23,4 Kilometer mit 105 Höhenmeter und einer Bewegungszeit von einer Stunde und 24 Minuten auf dem Tacho. Ich war so dreckig, wie ein Schwein im Schlammloch. Dreckig und zufrieden. Denn so dreckig, wie mein Bike nun ist, bietet es die perfekte Grundlage für einen Produkttest zum Thema Fahrradreinigungsmittel.

Die Tour bei Strava

Aufgezeichnet habe ich die Tour natürlich auch. Wenn Du Dich also auf meine Spuren begeben magst, dann mal los. Vielleicht sparst Du Dir aber den Teil an der A42 entlang, denn auf dem Feld vom Bauern haben wir definitiv nix verloren.

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