Endurorunde über Hoheward

Nachdem ich jetzt schon einige Kilometer auf dem Rollen-Gravel, dem Hardtail und sogar meinem Brötchen-Bike absolvierte hatte, war am Wochenende dann auch endlich eine Runde mit dem Enduro angesagt. Das wurde von mir zuletzt am 29.03.2021 über für eine Guten Morgen Runde über die gleiche Halde bewegt und danach geputzt an die Wand gehängt. Zuerst hatte ich keine Lust und dann später keine Chance mehr es zu fahren.

Mein Plan

Das Wetter war toll und ich wollte wissen, wie es um meine Trailtauglichkeit bestellt ist. Auf dem Sattel sitzen ist das eine, auf den Pedalen stehen wieder etwas ganz anderes! Das ging zuletzt nicht sehr lange und will trainiert werden. Wenn dann noch die Belastung von Bremswellen oder ruppigen Passagen auf einem Trail dazukommen, könnte flott Feierabend sein. Aber das war bisher alles nur Theorie, es musste ein Praxistest her.

Mein Plan war daher recht einfach. Erstmal in Richtung Hoheward und versuchen hinauf zu kommen. Danach mal vorsichtig den XC-Downhill antesten und schauen, wie sich der Fuß verhält.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Aber wenn so ein Bike 10 Monate nicht bewegt wird, braucht es vor der ersten Ausfahrt etwas Liebe. Und der Kanadier war dankbar für frische Milch in den Reifen, Öl auf der Kette und Öl auf allen Ritzeln und Lagern, sowie Dämpfer-Deo auf den Federelementen. Kurz gesagt, allem was sich bewegt. Vielleicht ist ein Service der Federelemente auch mal angesagt. Heute war auch die erste Probefahrt für meine frisch gewartete Sattelstütze, welche ich ja bei DZ-Suspensions habe warten lassen.

Das ist sogar für Tubeless zu wenig Luftdruck

Abfahrt!

Nachdem alles zur Abfahrt bereit war, machte ich mich auf den Weg. Leider ist meine Lieblingsroute, an der Emscher entlang, noch immer durch eine lästige Baustelle versperrt, daher wählte ich zunächst etwas Straße. Straße und Enduro ist keine gute Mischung, aber für war das erstmal okay.

Normalerweise bin ich ja immer der Erste, der einen Umweg fährt, aber ich wollte mich wenn, dann auf der Halde austoben und nicht schon während der Anfahrt an meine Grenzen kommen. Also fuhr ich diverse Nebenstraßen entlang, bis ich nach ca. 5,7 km an der Drachenbrücke auf der Ostseite der Halde Hoheward ankam.

Hier musste es heute etwas umsonst geben, nur so ließen sich die Massen an Autos erklären, die hier jeden freie Fleck zuparkten. Aber auf der anderen Seite gesehen war es eigentlich nur logisch, dass heute so viele Menschen hier sind. Die Sonne scheint, die Temperaturen waren angenehm und jeder von uns sehnte sich schließlich nach etwas Sonne.

Uphill

Eigentlich hatte ich geplant, den offiziellen Weg zu fahren, um die Halde zu erklimmen. Aber so voll wie das war, wollte ich jedem Konflikt aus dem Weg gehen. Und überhaupt, ich bin mit meinem Enduro hier, 160 mm Federweg, 29″ Laufräder, wenn ich eins nicht brauche, dann normale Wege!?!

Also fuhr ich nach der Drachenbrücke gleich runter in Richtung Verladestation. Hier war es wenigstens weitestgehend ruhig und nicht so überlaufen wie auf dem Rest der Halde. Der Nachteil ist jedoch, dass man die ersten Höhenmeter von der Drachenbrücke gleich wieder hergeben muss und dann den langen Aufstieg bis ganz nach oben fast ununterbrochen durchziehen muss.

Was Fluch ist, kann auch Segen sein. Wenn man dann ein paar Mal macht, hat man keine Angst mehr vor Höhenmetern. Insgesamt holt man sich auf den ca. 1,8 Kilometern rund 76 Höhenmeter.

Blick auf die Halde Hoppenbruch

Der erste Trails seit Monaten

Wenn man hier oben angekommen ist, hat man nur noch eine Steigung und ist ganz oben. Wenn wir im Rahmen der Mittwochsrunde unterwegs sind, fahren wir hier immer erst den XC-Kurventrail. Ein Trail, welcher meiner Meinung nach stark durch die Renovierung des RVR gelitten hat.

Ob ich den fahren will? Die anschließende Uphill-Passage ist echt nicht von schlechten Eltern und schmeckt mir für gewöhnlich überhaupt nicht. „Aber es ist keine Endurorunde, wenn nicht auch der Kurventrail gefahren wird“, dachte ich noch so bei mir und bog auch schon ab. Dämpfer auf, Musik an, ein Glücksgefühl machte sich in mir breit, als die zerbombte Anfahrt in Richtung Eingang hinabrollte.

Ich hatte mich damals, ziemlich genau ein Jahr zuvor, in einem Video auf YouTube über die Renovierung des Trails beschwert und ärgerte mich heute schon nach wenigen Metern, dass all die Dinge, die ich damals prophezeit hatte (Betonkante, Schotter im Trail) auch genau so gekommen sind, wie befürchtet.

Klar kann man den Trail fahren, aber so richtig schön ist er leider noch immer nicht wieder. Aber ich will nicht wieder meckern, ich war sehr froh ihn endlich mal wieder fahren zu können.

Auf den rund 500 Metern lässt man knapp 43 Höhenmeter zurück.

Gipfelstürmer

Nachdem das erledigt war, musste ich mich dem nächsten Uphill stellen. Meinem „Hass-Uphill“, wobei Hass so ein starkes Wort ist. Ich finde den anstehenden Uphill irgendwie ätzend, weil er irgendwie so unrund ist. Man fährt hoch, hat eine kleine Ebene, dann geht es wieder hoch, dann runter und wieder hoch. Das ganze aber so seltsam, dass es mir immer wieder ein knurriges Gesicht bereitet.

Natürlich ist das nur der innere Schweinehund, der mir das Erlebnis hier versucht madig zu machen. Aber den lasse ich heute mal nicht gewinnen und so nehme ich mir die Zeit, die ich benötige. Ziel muss sein, hier bald wieder in einer Tour durchzufahren, ohne Pausen und ohne Atemnot.

Auf den nun folgenden 1,4 km zum Gipfel der Halde lässt man wieder 66 HM zurück, dann ist das Ziel erreicht und es winkt eine tolle Aussicht, wenn das Wetter stimmt.

Ein schönes Gefühl. Ich bin gerne hier. Ich weiß nicht, wie oft ich das schon geschrieben habe, wie viele Videos es davon gibt und wie oft ich es auf Instagram gepostet habe, aber ich bin gerne hier.

Die Belastungsprobe

Bis hier hatte ich lediglich 10 km und 112 HM auf dem Tacho stehen. Von der Distanz war das total okay und auch die Höhenmeter waren mir eigentlich egal. Es ging ja um das Prinzip, endlich wieder mit dem Enduro fahren, Trails antesten, draußen sein.

Ich machte mich abfahrbereit. Wechselt die GoPro Linse gegen den Max-Lense-Mod und machte mich an den XC-Downhill. Ich muss an dieser Stelle noch ergänzen, dass zwar die Sonne geschienen hat, es aber auch ziemlich windig war.

Für Unerfahrene ist das hier schnell mal ein Problem an der Halde, denn wenn der Wind von Süden kommt, drückt er die Biker bei dem ersten Teil der Abfahrt automatisch den Berg hinauf. Wenn man dann gegensteuert und der Wind überraschend abreißt, verlässt man den Trail ungewollt und hat dann fast keine Chance, auf dem abschüssigen Gelände einen Sturz zu vermeiden.

Bei Wind sieht man daher auch recht häufig Leute dort liegen.

Als ich in den Trail einstieg, erwischte ich aber einen guten Moment, der Wind war mir gnädig und hielt sich kurz mal zurück, ich konnte die Wellen surfen und wurde erst auf dem zweiten Teil der ersten Abfahrt durch Gegenwind ausgebremst. Aber alles kein Problem.

Als ich in den Wald einfuhr, war ich sofort wieder in meinem Element. Ich ließ den Trail auf mich wirken, löste die Bremse und vertraute meinem Bike. Mit Bedacht und Spaß rollte ich den Trail ab, welcher echt hart unter dem MTB Boom der letzten Monate gelitten hat. Ich behaupte mal, dass der XC-Downhill einer der beliebtesten und meistfrequentierten Abfahrten von Halde Hoheward ist.

Insgesamt fährt man rund 1,5 km die Halde hinab und passiert dabei 106 Höhenmeter. Über den Mist, oben am Ende des Transferstücks, lasse ich mich heute mal nicht aus.

Und wie klappt es nun?

Unten angekommen, überwog die Euphorie. Ich spürte aber sofort, wo meine Grenzen waren und die waren schon früh zu spüren. Das bedeutet Training, wenn das in den nächsten Wochen was werden soll, Die Arme brannten, die Handgelenke ebenfalls und der Nacken, der NACKEN! Ich bin es nicht mehr gewöhnt, in der Angriffsposition Trails zu fahren!

Das wird ein hartes Stück Arbeit. Vielleicht kann ich ja durch gezielte Übungen etwas für den Nacken machen. Aber alles in allem klappt das ganz gut. Ich musste mich während der Abfahrt gelegentlich mal setzten, weil der Fuß das so wollte. Aber die erwarteten Schmerzen blieben aus. Das war gut.

Zurück am Kanal entlang

Was auch immer mich geritten hat, es war gut. Denn für den Heimweg entschied ich mich noch über die Halde Hoppenbruch zu fahren, um dann am Rhein-Herne-Kanal den Weg in Richtung zu Hause anzutreten. So machte ich nochmal 13,8 km gut und zwang mir weitere 50 HM auf, welche ich mir ohne Hoppenbruch gespart hätte. Bereuen tue ich das aber nicht, also zu dem Zeitpunkt der Tour noch nicht.

Am Tag darauf hatte ich eine Muskelkater aus der Hölle. Enduro ist halt doch nochmal eine andere Hausnummer als Gravel, Brötchen-Bike oder Hardtail.

Insgesamt war ich dann doch 2:46 Stunden unterwegs. Das war so nicht geplant, tat aber richtig gut und ich freue mich auf die nächste Runde auf dem Enduro.

Tour bei Strava

Video

Natürlich gibt es auch wieder ein kleines Video zu der Tour.