Review – Kärcher Mobile Outdoor Cleaner oc3

Nach wenigen Tagen stand also ein großes Paket in meinem Arbeitszimmer. Darin enthalten: Der Kärcher Mobile Outdoor Cleaner OC 3 und die dazu passende „Bike Box“. Beides zusammen kostet im Laden derzeit 179,99 € *. Das Basisgerät schlägt dabei mit 159,99 € zu Buche. Aber was ist das eigentlich?

Anders als erwartet, ist der Mobile Outdoor Cleaner kein Hochdruckreiniger, sondern ein Niedrigdruckreiniger. Er ist also wie gemacht für die Reinigung von Gegenständen mit leicht zu lösender Verschmutzung oder empfindlichen Teilen, wie zum Beispiel Lagern oder sensiblen Oberflächen. Das Gerät ist also genau das, was die Bikeszene schon lange sucht. Es ist ja eine Glaubensfrage, ob man sein Bike mit einem Hochdruckreiniger reinigen darf oder nicht. Der Mobile Outdoor Cleaner könnte da genau das richtige Werkzeug sein.

Wie ist das Ding aufgebaut?

Ganz oben thront ein 4 Liter fassender Wassertank. Er ist mit einer weichen Gummikappe verschlossen und lässt sich vom restlichen Gerät trennen, wenn man den oberen der beiden Bügel umlegt. Die Bügel sind clever angeordnet. Wie schon erwähnt, kann man den Wasserbehälter entfernen, wenn man den oberen Bügel umlegt. Der darunter erscheinende Bügel kann dann zum tragen des Gerätes benutzt werden.

Ist der Tank leer, kann man ihn auch ohne das Gerät zur Wasserquelle bringen und nachfüllen. Auch kann man den Mobile Outdoor Cleaner ohne diesen Tank benutzen. In einer der anderen Boxen ist ein Adapter enthalten, mit dem man das Wasser aus einem Eimer abzapfen kann. So kann das Tankvolumen theoretisch bis zur Unendlichkeit erweitert werden.

Der Platz unter dem Tank wird aber effektiv genutzt. Denn hier verbirgt sich zum einen die Pumpe und der Ansaugbereich, zum anderen aber auch der Spiralschlauch mit der Reinigungspistole. Ebenfalls in diesem Stauraum enthalten: die Flachstrahldüse für die Reinigungspistole. Sie muss auf die Pistole aufgesetzt werden, damit man den Wasserstrahl für die Reinigung einsetzten kann. Warum ist sie nicht fest montiert? Ganz einfach: Es gibt weiteres Zubehör. In der Bike Box ist eine Bürste enthalten, welche auf die Pistole aufgesetzt werden kann und so für die Reinigung von unempfindlicheren Stellen, wie Stollenreifen, genutzt werden kann.

Kärcher gibt an, dass die 4 Liter Wasser für die Reinigung von bis zu 2 Fahrrädern ausreichend sind. In der Praxis hat sich das jedoch so für mich nicht bestätigt. Ich spreche dabei von Rädern, die entweder nach einem schlammigen Tag auf der Halde direkt zum putzen gekommen sind, oder Räder, die eine Woche täglich gefahren wurden und am Ende mit eingetrockneten Schlammresten übersäht waren. Ich habe die Bikes dann immer angefeuchtet, den Reiniger aufgetragen und danach abgesprüht. Ein Bike ist dabei immer sauber geworden. Für zwei Bikes ist man unterwegs gut beraten, wenn man einen Wasserkanister im Zugriff zu hat, oder zu Hause halt eben den Tank nachfüllen kann.

Ein paar technische Daten gefällig?

Wie schon erwähnt, spricht man bei dem Gerät von einem Niederdruck / Niedrigdruckreiniger. Er fördert eine maximale Wassermenge von 2 Litern in der Minute und wiegt dabei, ohne Zubehör und Füllung, 2,2 kg. Seine Abmessungen lauten dabei 277 x 234 x 201 (L x B x H). Der Akku reicht für 15 Minuten Dauerbefeuerung und er ist in 180 Minuten komplett geladen. Auch da kann ich aus der Praxis sagen: Eher ist der Tank leer, als der Akku. Also wann immer das Gerät zum Einsatz kam, der Akku war nie das „Problem“.

Was ist mit der Ausstattung?

In der Bike Box ist ein Reinigungsmittel enthalten. Die Füllmenge ist 0,5 l. Das Gerät hat einen integrierten Wasserfilter, um grobe Verschmutzungen nicht ins Innere der Pumpe gelangen zu lassen. Der Tank fasst eine Menge von 4 Litern und der Spiralschlauch misst 2,8 m. Im Lieferumfang enthalten ist zudem noch das Akkuladekabel und ein Mikrofasertuch.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Ich muss sagen: Sehr gut. Wenn man sich von dem Gedanken löst, dass man die Leistung eines Hochdruckreinigers erwartet, ist alles gut. Das Gerät macht genau das, was man von ihm erwartet. Es saugt das Wasser an und schießt es mit Druck aus der Flachstrahldüse. Der Schmutz löst sich mühelos und je nach Reiniger bleibt etwas robusterer Dreck über oder eben auch nicht.

Der mitgelieferte Reiniger von Kärcher steht dabei den bekannten F100 oder Muck Off Produkten in nichts nach. Das Mikrofasertuch kann man hinterher hervorragend zum trockenreiben des Lacks benutzen. Alles in allem, kann ich über die Anwendung nichts Negatives sagen.

Also alles perfekt?

Nein, leider nicht. Das Gerät schreibt sich auf die Fahne, ein mobiles Gerät zu sein. Ich sehe dabei folgendes Szenario. Das Wetter ist schlecht, das Handy klingelt und ich verabrede mich zu einer spontanen Runde auf einem Trail gleich um die Ecke. Also packe ich das Auto und will los.

Hier kommen die ersten beiden Kritikpunkte. Das Gerät verfügt derzeit nicht über einen 12V Adapter, welchen ich in einen Zigarettenanzünder oder eine im Kofferraum befindliche 12V Dose stecken kann. Wenn ich das Gerät also spontan mitnehmen möchte, sollte es geladen sein. Oder ich muss mit einem 12V auf 220V Adapter arbeiten.

Ist vielleicht Strom vor Ort, kommt der zweite Kritikpunkt. Das Gerät kann nicht genutzt werden, wenn es geladen wird. Wenn ich also nach der Tour den Kofferraum öffne, das Gerät an meinen 220V Adapter anschließe und mein Bike reinigen möchte, geht das nicht. Gleiches gilt, wenn ich mit mehreren Leuten unterwegs bin und alle vielleicht ihre Bikes reinigen wollen. Wir nehmen jetzt mal an, dass die Wasserversorgung gewährleistet ist.

Und die Bike Box?

Im Grunde ist die Bike Box eine gute Idee. Die Bürste eignet sich wirklich gut, um Stollenreifen zu reinigen. An meinen Lack würde ich damit nicht gehen, denn dafür ist sie schlicht zu hart. Das Mikrofasertuch ist auch sehr gut, das habe ich oben ja schon erwähnt.

Neben der Bike Box gibt es auch noch die Adventure Box, und die Pet Box. In der Adventure Box ist, neben der Universalbürste auch der oben erwähnte Adapter für Wassereimer enthalten. In der Pet Box sind Utensilien, die man für die Reinigung von Haustieren benötigt. Einzeln kostet die Boxen zwischen 27 und 30 €.

Die Box wird praktisch unter den Mobile Outdoor Cleaner gestellt und danach mit zwei Flügelklemmen mit dem Cleaner verbunden. Danach kann man das ganze Paket an den oberen Griffen durch die Gegend tragen. Mehrere Boxen kann man leider nicht übereinander stapeln. Das könnte man in Zukunft vielleicht noch besser machen.

Die Box bietet genug Platz, um das mitgelieferte Zubehör zu verstauen. Aber genau da liegt auch wieder ein kleines Problem. Denn sogar der mitgelieferte Reiniger passt nur im Originalzustand in die Box. Das bedeutet, man muss ihn nach der Anwendung immer zerlegen. Also die Pumpdüse abbauen und bloß nicht den Deckel der Flasche verlieren. Sonst passt das gute Stück nicht mehr in die Kiste.

Da hätte ich mir gewünscht, dass die Kiste etwas höher geworden wäre. Vielleicht sogar so hoch, dass man eine 1l Reiniger (Kärcher oder Muc off) darin platzieren könnte. Und wenn die Box dann in die Höhe gewachsen ist, könnte man sie gleich noch in ein paar Fächer unterteilen. 1 Fach für den Reiniger, 1 Fach für die benutzte Bürste und 1 Fach für das Mikrofasertuch. Denn aktuell legt man die benutzte und somit dreckige Bürste auf das Mikrofasertuch. Dreckig bleibt die Bürste immer dann, wenn einem das Wasser ausgeht. Kein unbekanntes Szenario.

Ein Tipp für alle schon oder baldigen Besitzer des Kärcher Mobile Outdoor Cleaner: Ich habe mein Netzteil in einen kleinen Gefrierbeutel gepackt. So kann ich das Netzteil auch in die Box legen, selbst wenn da noch mit Restfeuchtigkeit zu rechnen ist. So ist alles beisammen und funktioniert auch in mehreren Jahren noch.

Das Mikrofasertuch hinterlässt ein sauberes und streifenfreies Finish auf dem Lack des Bikes. Es saugt Feuchtigkeit sehr gut auf und reicht bei mir für 1 – 2 Bikes. Danach muss es getrocknet werden. Die Umnaht ist nicht zu fest, die Gefahr für Kratzer im Lack sehe ich als nicht gegeben. Aber das ist natürlich auch immer von mehreren Faktoren abhängig. Man kann das Tuch in die Waschmaschine geben, da sollte es aber nicht mehr als 30° Wassertemperatur abbekommen. Es gehört nicht in den Trockner. Weichspüler verträgt es auch nicht, also Finger weg. Beachtet man diese Hinweise, wird es sicher lange halten. Denke ich.

Kommen wir zu meinem Fazit:

Ich habe das Gerät nun über ein halbes Jahr getestet und hatte es bei diversen Ausflügen oder Wochenendtouren dabei. Wenn Du mich also nach einem ehrlichen Fazit fragst dann sage ich Dir: Kannst Du gut kaufen, wirst Du nicht bereuen. Ja, an der einen oder anderen Stelle ist noch Verbesserungspotential, keine Frage. Berücksichtigst Du aber meine genannten Kritikpunkte und beachtest die Tipps, dann wird Dir das Gerät viel Freude machen.

+++ UPDATE +++

Kärcher hat mittlerweile nachgebessert und ein KFZ Ladekabel veröffentlicht. Es kostet 29,99 und versorgt den OC3 nun auch im Auto mit Strom. Geladen werden kann der OC3 damit jedoch nicht, aber der erste Schritt ist gemacht.

https://www.kaercher.com/de/zubehoer/kfz-adapter-26438760.html

Danke an Thorsten, für den Tipp!

 

Ein Wort zur Transparenz:

Kärcher hat mir das Gerät kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie haben mir alle Zeit der Welt gelassen, damit ich mir in Ruhe ein eigenes Bild machen konnte. Kärcher nimmt kein Einfluss auf den von mir geschriebenen Text und die damit verbundene Meinung über das Produkt.

Weiterführende Links:

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