„Watt denn getz?! Grüßen wa uns? Oder nich?“

Ich bin ja so ein freundlicher Zeitgenosse. Ich bremse für Hundehalter, die Ihre Vierbeiner nicht rechtzeitig im Griff haben, ich benutze meine Klingel, wenn ich überholen möchte und ich bedanke mich, wenn mir jemand Platz macht. Ich weiß, ich bin damit nicht alleine und ich kenne auch Leute, die das anders handhaben. Aber ich bin der Meinung, dass wir alle gemeinsam entspannter durch das Leben kommen, wenn wir aufeinander Rücksicht nehmen.

Wo ich aber noch nicht ganz durchgestiegen bin, ist die Grußformel auf Radwegen und Trails. Aus der Motorradszene kenne ich nur eine generelle Grußpflicht. Finde ich gut, denn das verbindet. Bei uns Bikern ist das aber irgendwie nicht etabliert.

Wenn ich zur Arbeit fahre, treffe ich eigentlich immer die gleichen Leute. Die Alltagsradler. Alltagsradler wird man, wenn man sich auch schon in einer Regenkombi begegnet ist. Dann kannst Du davon ausgehen, dass hier jemand Radfahren als Hobby hat. Da wird genickt und freundlich gelächelt und der ein oder andere bekommt auch ein gesprochenes oder gehecheltes „guten Morgen“ entgegen geschmettert. Je nachdem, an welcher Stelle der Strecke man sich begegnet.

Etwas anders handhabe ich das bei Freizeitradlern, die mir begegnen. Auch wenn es vielleicht oberflächlich oder überheblich klingt, aber da grüße ich nicht automatisch jeden, der einen Stollen behafteten Reifen auf seinem Rad fährt. Ich mustere mein Gegenüber und entscheide dann spontan, ob ich nicke oder nicht. Mountainbiker mit Helm und gefederter Vordergabel erhalten eher ein Nicken als der helmlose, im Fahrtwind wehende Bundeswehrparka auf dem quietschenden Baumarktrad. Es sei denn, er ist ein Alltagsradler. Aber das ist eher selten.

Unsicher bin ich mir bei Rennradlern. Obwohl ich in meiner Twitter Timeline eine Menge Rennradler habe und die alles andere als unfreundlich sind, kann ich mich nicht erinnern, wann mich mal ein Rennradfahrer gegrüßt hat. Nur wenn ich die Initiative übernommen habe, erntete ich ein kurzes Nicken. Warum ist das so? Gibt es da eine Rivalität? Ich bin ja noch neu in der Materie. Vielleicht fehlen mir noch ein paar Vorurteile, an die ich mich halten muss. Klärt mich auf?!

Meistens erntet man ja irritierte Blicke. Vor allem Männern sieht man die Ratlosigkeit in ihrem Blick an, weil sie sich kurz überlegen, woher sie einen kennen könnten. Anders als bei hupenden Autos sind die Herren hier wählerisch. Ich muss ja zugeben, gelegentlich mache ich mir einen Spaß und imitiere das eben gesehene (irritierte) Gesicht meines Gegenübers. Aber der Höflichkeit halber natürlich so, dass es niemand sieht.

Frauen sind da anders. Frauen ignorieren Dich einfach. Punkt. Aber eben diese unterschiedlichen Reaktionen machen mich eben ratlos. Ich bin eigentlich ein Freund des kurzen Grußes. Man teilt sich den Weg, hat das gleiche Hobby, also warum soll man nicht kurz mal nicken? Tut nicht weh und bewirkt doch so viel.

Ganz anders sieht es auf Trails aus. Wann immer ich abseits der normalen Strecken auf den Halden unterwegs war oder mit Alex am Kalwes, immer wenn ich andere Biker gesehen habe wurde gegrüßt. Vergessen wir nicht, meine Trail Erfahrungen halten sich ja noch in Grenzen, aber denken wir an Oliver zurück, der uns gleich „seine Halde Rheinelbe“ gezeigt hat, oder die 3 anderen Biker am Kalwes. Immer sind alle freundlich und hilfsbereit.

Nun ja. Wie machen wir das denn jetzt? Ich denke, ich werde weiter grüßen. Wer mir sympathisch ist, bekommt seinen Gruß von mir. Also wenn Dir mal ein dickerer Mann mit einem Bell Helm und Fox Handschuhen auf einem Rotwild Rad entgegenkommt und nickt, nicke einfach kurz zurück. Ich würde mich sehr freuen.

Liebe Grüße.