Die gelbe Falle auf der Erzbahntrasse

Heute möchte ich Euch eine kleine Geschichte aus der Zeit erzählen, wo ich noch regelmäßig ins Büro geradelt bin. Zugetragen hat sie sich schon 2019, aber ich erzähle immer wieder gerne von der „gelben Falle auf der Erzbahntrasse“.

Es gibt auf der Erzbahntrasse eine Passage, die führt vom Zoom, bis hoch zu Holgers Erzbahnbude. Zugetragen hat sich das hier beschriebene Schauspiel meist auf dem Stück, ab Halde Pluto, bis hoch zur Bude. Um das kurz zu verdeutlichen, habe ich die kleine Passage bei Komoot für einen Screenshot markiert. Die Distanz liegt bei 2,93 km und an Höhenmetern holt man sich hier rund 10 m.

Quelle: Komoot

Mehrfach ist mir dort ein unscheinbarer, älterer Herr aufgefallen, welcher auf einem alten, klapprig wirkenden Herrenrad mit Satteltaschen unterwegs war. Jeans, Turnschuhe, gelbes Polohemd. Einer von 100.000, wenn man nachmittags auf der Trasse unterwegs ist. Aber er war halt schon Morgens unterwegs und er hatte es faustdick in den Beinen.

Die oben beschriebene Steigung fuhr er nämlich immer in gemächlichem Tempo hinauf. Das Gesamtbild passte, alt und klapprig. Aber wenn man ihn dann kraftvoll überholen wollte, gab er Gas! Und wie er Gas gab! Mein lieber Herr Gesangverein.

Aber nicht so subtil, so auf gleicher Höhe Vollgas geben oder so. Nein, erst hat er einen vorbeiziehen lassen und dann klebte er in Deinem Windschatten. Da saugte er sich fest und wer versuchte ihn loszuwerden, wurde kurze Zeit später überholt und verschwand dann langsam hinter ihm.

Besonders hatten es ihm E-Biker angetan. Und von denen dann besonders die, welche ohne Ankündigung an einem vorbeiflogen. Da wurde er richtig flott und zeigte den E-Sportlern, was ne Harke ist!

Dieses Schauspiel hab ich sicher 10 – 20x beobachten können und natürlich bin auch ich Opfer seiner Falle geworden. Selbstverständlich wusste ich nicht, was mir blühen würde, als ich klingelte, um meinen Überholvorgang anzukündigen. Auf meinem Hardtail unterwegs, klingelte ich, zog ich vorbei, grüßte freundlich und scherte mit Abstand wieder an.

Da hatte ich ihn im Nacken sitzen. Mein Ehrgeiz war geweckt. Ein Gang hoch, flotten Antritt gewählt und dann Gang für Gang runter, bis ich Kette rechts hatte! Aber das gelbe Hemd wurde ich nicht los. Wir passierten die rote Brücke, bogen bei Holgers Bude in Richtung Gelsenkirchen Ückendorf ab und ich gab alles.

Die nächsten rund 2 Kilometer macht die Strecke wieder eine leichte Steigung und ich trat rein, immer wenn ich Überholmanöver einleiten musste, um anderen Trassenbesuchern auszuweichen, nahm ich das gelbe Hemd im Augenwinkel wahr. Der Mann wollte es wissen und klebte mir am Heck!

An der Ückendorfer Straße (Für Ortskundige: Am Schalke Kiosk) angekommen, mussten wir halten und schon stand er neben mir. Lass mich nicht lügen, er war gefühlt Anfang / Mitte 80 Jahre alt?! Während mir fast die Lunge aus dem Hals gefallen ist, sprach er mich mit ruhiger Stimme an und meinte: „Danke für den Windschatten, jetzt bin ich wohl mal dran!“ Und schon passierte er die Straße.

Das nun folgende Segment, „Ückendorfer2Bochumer„, konnte ich noch gut mithalten. Danach gab es dann nur noch rund 550 gemeinsame Meter, bevor ich zur Halde Rheinelbe abbiegen musste. In diesen 550 Metern hat der Kollege dann aber nochmal so übel in die Pedale getreten, dass er mich schon nach wenigen Metern knallhart abhängte!

Da hab ich aber echt dicke Backen gemacht!

Seither war ich gewarnt und immer dann, wenn ich den Anstieg ab Halde Pluto begann, hielt ich Ausschau nach einem gelben Hemd am Horizont und musste innerlich laut lachen, wenn mich ein übermotivierter E-Biker überholte und sich danach dem gelben Hemd näherte…