Holland – Bikeservice für Touristen

Die ganze Fruckelei hat nichts gebracht. Die Gangschaltung ist verstellt. Was auf dem letzten Heimweg als kleines Geholper in der Gangschaltung begonnen hat, habe ich leider zu einer Totalkatastrophe werden lassen. Eigentlich lässt sich diese 1×12 SRAM Schaltung doch kinderleicht einstellen. Anschlag unten, Anschlag oben, Abstand oberes Röllchen zum Ritzel und dann noch etwas Feintuning am Trigger. Tja, schade. Es geht nix mehr. Schon die erste Runde klingt eher wie ein Feuerwerk an Fehlschaltungen, als nach dem schnurrenden MTB, wie ich es eigentlich gewohnt bin.

Was macht man also nun, wenn man niemanden kennt und Hilfe braucht? Genau, man googelt nach Fachhändlern. Das ist natürlich immer mit Gefahren verbunden, denn das Niveaufernsehen zeigt einem ja ständig irgendwelche Abzocker in Urlaubsorten, die einem das Geld aus der Tasche ziehen. Also Bewertungen prüfen. Der glaubhafteste Laden in meiner Ecke ist Nicos Fietsen. Bewertungen und Webseite sehen vielversprechend aus, die Entfernung ist auch machbar, also nichts wie hin. Adresse bei Komoot eingeben, Strecke planen, auf den EDGE 520 übertragen und los gehts. Das mit Komoot und dem Garmin funktioniert übrigens fantastisch, aber dazu in einem späteren Review mehr.

Schon nach kurzer Zeit stehe ich vor dem Laden. Er hat geschlossen. Betriebsferien, seit heute, bis in 14 Tagen. Fantastisch… Na gut, der nächste Treffer in der Gegend ist Albert Fietsen. Google sah schon sonderbar aus, aber in der Not… Egal, Adresse auf Komoot geplant, gespeichert, auf den Garmin übertragen und los. Sie kennen das. Hier zeigt der Garmin eine kleine Schwäche. Will man eine neue Strecke von Komoot laden, möchte der die aktuelle Aktivität zunächst beenden. Das ist doof. Denn nur, weil ich eine Strecke verändere, muss meine Aktivität ja nicht automatisch beendet sein. Mein erster Eindruck ist naserümpfend. Aber das recherchiere ich weiter.

Gut, auf zu Albert. Ob er sich mit SRAM 1×12 auskennt? Wir finden es heraus. Oder auch nicht, denn mehr als ein Schild findet sich nicht an der Zieladresse. Keine Werkstatt, keine Menschen, nichts. Ich vermerkte diesen Besuch als ein Reinfall und suche den nächsten Laden. Die nächsten Treffer sind alle nicht wirklich vielversprechend. Das Hollandrad kennen sie alle. Natürlich! Aber Mountainbikes hat nur noch ein Laden in im ca. 5 km entfernten Noordwijk auf Lager. Okay, da waren wir gestern schon mit dem Rad, das sollte auch diesmal noch zu schaffen sein. Auf geht’s!

Ich muss ja zugeben, ich war etwas stinkig. Wie kann es sein, dass es hier so wenig Händler gibt, die auch Mountainbikes führen. Im zweiten Moment habe ich mich dann aber mal selbst korrigiert. Wieso sollte jemand Mountainbikes verkaufen, wenn es dafür einfach keine Zielgruppe gibt. Oder diese eben so verschwindend klein ist, dass es sich einfach nicht lohnt!? Kann ja nicht jeder seine eigene Halde vor der Tür haben, wie mein Haus- und Hof Händler.

Okay, auf zu Versuch Nummer 3. Profile Mooijekind in Noordwijk. Dort angekommen, bin ich direkt in die Ausleih-Rushhour geraten. Jede Menge Touris holten sich ihre Hollandräder ab. Einer von den Angestellten sprach mich direkt mal an, ob er mir helfen könne. Ich fragte: „Deutsch oder Englisch?“ „Beides!“, antwortete er mir. Es ist beneidenswert, wenn ich mir überlegen, dass viele Deutsche nicht einmal in der Lage sind, deutsch zu sprechen! Nun gut, ich schilderte mein Problem in Deutsch und er verstand mich direkt. 1×12 von SRAM, okay, nichts Alltägliches sagte er mir. Aber im Grunde kein Hexenwerk. Musik für meine Ohren. Ab 17 Uhr könne ich es abholen. Preise konnte er mir keine nennen. Oh, oh…

Jetzt musste ich wieder zurück. Ich Dummerchen hätte mir ja für die Zeit eigentlich auch gleich ein Rad ausleihen können. Die Preise sind durchaus moderat und sie hatten auch Lastenräder! (HACH!) Na aber meine Frau hätte mir sicher einen Vogel gezeigt, wenn ich mit einem Lastenrad zurückgekommen wäre. Ich entschied mich also zu laufen. 5 km am Strand entlang. Ich hatte schon schlimmere Heimwege.

Den Tag verbrachten wir zu Fuß in der Stadt. Nach 17 Uhr brachte mich meine Frau eben mit dem Auto nach Noordwijk und fuhr danach noch ein paar Teile einkaufen. Ich hatte ja zugegebenermaßen ein ungutes Gefühl im Bauch, denn ich musste nichts ausfüllen, als ich das Rotwild abgegeben habe. Ich würde nun a) jemandem erklären dürfen, dass ich hier vorhin ein Rad abgegeben habe, an das sich jetzt niemand mehr erinnern kann! Oder b) mit jemandem diskutieren, ob der Preis, den ich nun zahlen sollte, nun auch gerechtfertigt ist, oder eben nicht. Oder c) Alles würde gut laufen.

Wieder auf dem Hof angekommen, erkannte mich der Kollege von heute Vormittag. „Ah, wir haben unser Beste gegeben, aber is was mit dem Bike passiert?“, begrüßte er mich mit weitaus besserem Deutsch, als mein Niederländisch jemals sein wird. „Ja, nein, irgendwie, äh…“, stammelte ich mir einen daher. Wie erkläre ich dem guten Mann jetzt, dass ich wohl einfach nur zu doof bin, eine Schaltung einzustellen? Ganz einfach, gerade heraus: „Ich bin vermutlich einfach zu doof dafür!“ Irritiert schaute er mich an: „Okay, das sehe ich ein!“, entgegnete er!

Sie haben es nicht perfekt geschafft. Das mal vorweg. Aber ich habe es ihnen auch nicht leicht gemacht, schätze ich. Die Gänge ließen sich wieder deutlich besser schalten als vorher. Aber die Kette macht nach wie vor noch das, was sie will. Den Urlaub werde ich damit sicher gut überstehen können, die 23 € waren gut angelegtes Geld. Der Urlaub ist gerettet. Ich kann sicher prima Brötchen holen und auch die ein oder andere Tour mit der Familie fahren. Wenn ich aber aus dem Urlaub zurück bin, geht das Bike aber nochmal zu WatzUp in Oberhausen.