Kopffrei Runde über Halde Hoheward

In meinem Job sitze ich den ganzen Tag an IT-Problemen anderer, die es zu lösen gilt. Manchmal habe ich auch hausgemachte Probleme zu lösen, weil ich im Rahmen von Projekten unsere Softwarelösung implementieren muss. Gelegentlich gibt es dabei unvorhergesehene Probleme, die es dann zu lösen gilt. So auch heute, wo ich wieder vor einer Baustelle saß, zu der mir einfach kein Lösungsansatz in den Kopf wollte.

Oft hilft dann ein Perspektivwechsel, oder etwas Ablenkung. Vor Corona hatten wir dafür unseren Kickerraum, so man mal kurz mit bis zu 3 weiteren Kollegen die Möglichkeit hatte, den Kopf frei zu kickern, aber hier im Homeoffice gibt es den nicht. Also meldete ich mich bei meinem Chef ab und machte mich mit dem Gravelbike auf den Weg in Richtung Halde Hoheward.

Zunächst machte mich auf den Weg in Richtung Emscherparkradweg, welchem ich bis zur Drachenbrücke folgte. Am ersten Aufstieg hatte ich eine rechte amüsante Situation mit ein paar älteren Nordic-Walking Ladies. Die Damen, vermutlich zwischen 70 und 100, machten sich auf dem Weg so breit, dass kein Vorbeikommen war. Mein Klingeln verpuffte ungehört und ich wurde überhört. Ich passte meine Geschwindigkeit an die Damen an und machte durch freundliches Rufen auf mich aufmerksam. Also ich auf Höhe der letzten Reihe war, wurde ich dann letztendlich bemerkt und freundlich aber bestimmt mit einem lauten „MÄDELS, FAHRRAAAAAD!“ angekündigt.

Ich musste lachen, denn das ist nicht die Art, in der ich auf mich aufmerksam machen wollte, aber ich wurde sogleich unter munterem Gelächter belehrt: „Junger Mann, sie müssen uns schon anbrüllen, damit wir Sie hören!“ Da musste ich schon lachen und die Damen hatten auch sichtlich ihren Spaß. Ich versprach es mir zu merken und wünschte einen schönen Tag, als ich die Gruppe passierte. Das geht ja gut los.

Ich fuhr zunächst bis auf die erste Ebene hoch und setzte meinen Weg bis zur Promenadenbrücke fort. Dort hielt ich kurz an, um die GoPro die Landschaft einfangen zu lassen. Danach machte ich mich an den weiteren Aufstieg in Richtung Gipfel. Dabei fuhr ich die breite Schotterstraße hoch und wunderte mich wieder einmal über die wirklich bequemen Geländeeigenschaften meines Topstone Carbon 105. Klar, nicht mit einem Mountainbike zu vergleichen und ich mir würde auch nicht im Traum einfallen, irgendwelche Trails damit zu fahren, aber solche Schotterpisten kommt man wirklich bequem rauf.

Jetzt war ich auf der vorletzten Ebene angekommen und entschied mich dafür, die Halde erneut zu umkreisen, bevor ich die letzten Höhenmeter bis ganz oben meistern würde. Ich filmte noch die XC-Abfahrt, welche der RVR neu gemacht hatte und fuhr dann rauf.

Oben angekommen verweilte ich in Blickrichtung Zeche Ewald. Ich werde nicht müde zu erwähnen, wie schön es hier oben ist.

Bestes Wetter für klare Sicht

Ich fuhr dann noch zur östlichen Spitze rüber und machte auch das obligatorische Observatorium-Bild, dass wohl in keinem Handy fehlen darf, wenn man hier oben war.

Pflichtfoto

Der Kopf war nun wieder frei und mir sind hier oben tatsächlich ein paar neue Lösungsansätze gekommen. Also entschied ich mich, den Heimweg anzutreten. Mit dem MTB würde ich jetzt den XC-Downhill nehmen, aber mit dem Gravel schaute ich in Richtung Karakterberg.

Also fuhr ich gemütlich in Richtung Abfahrt und ließ mich einfach rollen. 30, 40, 50… Kurz mal bremsen… 40, 50, 60, 70… Oh! Mit dem MTB hatte ich das hier noch nicht geschafft, soweit ich mich erinnere. Zuletzt hatte ich hier ein Topspeed von 55,8 km/h gefahren, als ich mit einer Gruppe von Bikern 2017 hier zur Haldentour unterwegs war. Aber heute waren hier 74,9 km/h auf dem Tacho, wenn auch nur kurz. Die Straße lässt das zu und ich habe zwischendurch auch mal gebremst. Hier zahlt sich mein Übergewicht aus.

Unten angekommen, stattete ich der Zeche Ewald noch einen kleinen Besuch ab und machte mich dann auf den Heimweg. Ich fuhr zurück zum Handweiser und wurde dann auf den Nonnenbuschweg aufmerksam. Der war lange Zeit gesperrt und ist jetzt wieder offen. Wo man hier hinkommt? Das wusste ich nicht. Also checkte ich kurz den groben Verlauf auf meinem Tacho und entschied mich dann, auf diesem Weg nach Hause zu fahren.

Ich wurde für meine Mühe belohnt, denn der Weg führte mich schön durchs Grüne. Klar, wenn ich über eine Straße gefahren wäre, hätte ich es kürzer gehabt, aber manchmal muss der Weg halt eben länger sein, wenn er dadurch schöner ist.

Am Ende hatte ich 23,23 km auf dem Tacho, hatte 171 HM gefahren und eine Handvoll Lösungsansätze mehr im Kopf. Mein Problem? Das konnte ich letztendlich lösen. Einziger Wermutstropfen: Nachdem ich das Videomaterial von der GoPro gezogen hatte musste ich feststellen, dass einige Files kaputt waren. Somit fehlt mir etwas Material und unter anderem auch die Szene mit den rüstigen Ladys.

Hier aber, was dabei herausgekommen ist:

https://youtu.be/OXPeJmLfSy8