MTB Wandhalterung aus einer Europalette bauen

Der Trend mit den Möbeln aus Europaletten erschließt sich mir nur bedingt, aber für meine Zwecke sollte das reichen. Der Vorteil liegt klar auf der Hand. Europaletten sind schon für wenig Geld und an fast jeder Ecke zu haben. Noch dazu bieten sie, erstmal zerlegt, genug Material um allerhand verrückte Dinge daraus zu bauen. Ich plante zunächst ein, 2 Paletten für 2 Regale zu benötigen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, eine hat ausgereicht, wenn man die Regale nicht zu breit macht. In meinem Fall sind die Regale 60 cm breit. Da die Palette eine Breite von 120 cm hat, passt das nahezu perfekt.

Was war denn nun die grundsätzliche Idee? Die Idee war, zwei kleine Sockel zu fertigen, für jeweils das Vorder- und das Hinterrad. Als Eckpfeiler sollten die Markanten EPAL Klötze genutzt werden. Oben ein Brett darauf, damit das Rad positioniert werden kann, unten ein Brett drunter, damit man den gewonnenen Raum auch als Stauraum für Kleinigkeiten nutzen kann. Die Rückseite wird ebenfalls geschlossen, damit genügend Stabilität vorhanden ist und man das Brett auch mühelos an der Wand befestigen kann. In der Theorie habe ich damit gerechnet, zwei Paletten verbrauchen zu müssen. In der Praxis stellte sich später raus, dass es eine auch getan hätte.

Wenn ich schon ein Regal baue, dann kann ich auch gleich noch etwas Stauraum produzieren. Na ja, bei den Maßen wird da nicht viel Platz entstehen, aber ein Handy, ein Garmin und ein paar MTB-Brillen werden schon Platz haben.

Mit meinem jüngsten Sohn Nico machte ich mich an die Arbeit. Mit einem Brecheisen und einem Holzkeil machten hebelten wir die Palette auseinander. Für uns interessant waren die oberen, äußeren Bretter, das mittlere Brett und die EPAL Sockel. Mit dem Holzkeil überbrückten wir den Platz zwischen den Brettern. Im Nachhinein würde es sich anbieten, mit einer kleinen Holzlatte die spitzen Stellen am Brecheisen zu bedecken, damit man diese Kuhfußabdrücke später nicht im Holz hat. Aber das gebe ich Dir mal mit auf den Weg.

Jetzt ging es an den Zuschnitt. Ich zeichnete die Maße ein und schnitt die Bretter dann mit einer Handkreissäge passend. Schutzbrille nicht vergessen! Die Kanten schliff ich kurz mit einer feinen Feile nach, damit hier keine Splitter verteilt wurden. Für den Regalboden und den Deckel benutzte ich die Eckbretter der Palette. Sie hatten genau die 13 cm Tiefe, die ich für die Reifen brauchte. Mit den 2 cm von der Rückwand, komme ich so auf die 15 cm Tiefe, die ich gewünscht habe.

Ich rundete noch die Ecken ein wenig ab, damit sie mir den EPAL Säulen harmonieren. Ich stellte die Bretter auf die Säulen und richtete sie aus. Wenn die Bretter noch nicht ganz passen würden, könnte man jetzt noch kürzen. Ich wollte die ursprünglichen Löcher der früheren Nägel weiterhin verwenden. Nicht alle, aber alle die, die über den Säulen standen. Daher werden die Säulen jetzt von 2 Schrauben pro Seite gehalten. Also 8 insgesamt.

Nachdem alles zu meiner Zufriedenheit gepasst hatte, musste geschliffen werden. Das Holz bekommt eine wunderbare Farbe, wenn man die Alltagsspuren beseitigt. Beim Schleifen sollte man sich Zeit lassen, denn ein guter Schliff entscheidet später zwischen „nett gemacht“ und „WO HAST DU DAS GEKAUFT!?!EINSELF“. Ich glaube, ich habe eine Mischung aus „Geile Idee, Dein Prototyp?“ und „Viel hast Du nicht bezahlt“ geschliffen. Aber mir gefällt es. Wenn man möchte, kann man das Holz auch behandeln. Ich habe darauf verzichtet, denn ich stelle das Rad nicht nass auf das Regal und in meinem Büro herrschen selten unterschiedlichste Witterungsbedingungen.

Nach dem Schleifen kommt das Zusammenbauen. Ich habe die Ober- und Unterseite des Regals genagelt. Das sagte ich bereits. Damit es dabei nicht zu unerwünschten Verschiebungen kommt, lohnt es sich mit zwei Schraubzwingen zu arbeiten, um die Bretter in Position zu halten. Dann die Nägel einschlagen. Experten benutzen hier einen Versenker, die Nagelköpfe schauen dann nicht aus dem Holz heraus und zerlegen Dir das Schleifpapier. Ich habe das nicht gemacht, aber ich habe ja auch schon vorgeschliffen.

Als die beiden Bretter fest waren, habe ich mich an die Rückwand gemacht. Hier stellte sich heraus, dass das auserkorene, mittlere Brett, nicht geeignet war, weil die Ecke nur auf einer Seite gut war, um sie zu verarbeiten. Die andere Seite war abgesplittert. Also schnitt ich den Teil heraus, der gut genug für mich war. Jetzt war mir klar, ich müsse dann doch die zweite Palette opfern. Doch als ich die anderen Bretter auf ihre Maße kontrollierte, fiel mir auf, dass auch die anderen Bretter meine Maße haben. Also konnte ich mich dort bedienen und die Rückseite ausschneiden.

Weiter ging es wieder mit schleifen, messen, montieren. Bei der Montage verwendete ich ausnahmsweise Schrauben. 4x40er Spax. Warum Spax? Altes Heimwerker Sprichwort: „Spax und die Scheiße hält!“ Warum sie Konny Reimann das nicht mal in der Werbung sagen lassen, erschließt sich mir nicht. Damit das Holz nicht splittert, habe ich mit einem feien Bohrer die Löcher für die Schrauben vorgebohrt. An allen 4 Ecken der Rückseite eine und an dem Regalboden, mittig eine weitere. Warum? Ein eventuell auftretender Spalt wird so an die Rückseite gezogen und geschlossen. Zum Schluss noch 2 Löcher für die spätere Montage an der Wand bohren. Ich habe die Punkte dafür 16 cm vom äußeren Rand und 7 cm vom Boden gesetzt. Das ist aber immer abhängig von dem Montagematerial, welches du verwenden willst. In meinem Fall sind die Schrauben dann nah an den Säulen und fallen nicht gleich so ins Auge.

Das ganze dann zweimal, denn wir wollen ja 2 Halterungen haben, auf der das Rad später ruhen kann. Nachdem ich alle montiert hatte, habe ich es erneut geschliffen. Die Ecken, die Kanten, die Rundungen, die Rückseite, alles musste nochmal geschliffen und geglättet werden. Wenn man mit geschlossenen Augen, gefahrlos mit der Hand über das Holz streichen kann, ohne sich einen Splitter einzufangen, hat man alles richtig gemacht. An diesem Punkt angekommen, war ich bereit für die Abnahme durch meine Frau und den damit verbundenen Segen für den Einzug in unsere Wohnung.

Meine Frau gab ihren Segen und so konnte ich mich an die Wandmontage machen. Eigentlich keine große Sache, wenn gleich mal das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Eine Wasserwaage, so eine richtige, nicht nur ne App, ist unbedingt notwendig. Wichtig ist auch das Montagematerial. Es sollte schon was halten können, denn wer will schon bei einer gemütlichen Tasse Tee von seinem Rad erschlagen werden?

Ich habe also darauf geachtet, dass jede Komponenten für sich, die 14,4 kg meines Enduro alleine tragen könnte. Bei dem Rundhaken habe ich mich bewusst für einen weißen entschieden, damit er an der Wand nicht gleich ins Auge sticht. Er alleine kann das Rad halten, wenn man von einem feinporigen Stein ausgeht. Für gewöhnlich findet man in Häusern aber eher Loch- und oder Vollsteine. Dübel und Haken können also zwischen 25 und 70 kg tragen. Sollte passen. Um die Kraft des Schraubenkopfes etwas auf das Holz zu verteilen, besorgte ich mir noch passende Unterlegscheiben. Bei den Dübeln und Schrauben für die Regale entschied ich mich für ein 4er Rahmendübel Set mit passenden Schrauben. Die Schrauben können mit einer 13er Nuss festgezogen werden und können mindestens 14 kg pro Schraube tragen. Wieder ausgegangen von dem feinen Stein.

Jetzt müssen die Löcher in die Wand. Da kommt dann die Wasserwaage zum Einsatz. Meine Frau hielt das Regal an die Wand, ich richtete es mit der Wasserwaage aus und drückte denn die Schraube durch das Bohrloch. So entsteht ein kleiner Punk auf der Tapete, an dem man sich später orientieren kann. Experten messen alles richtig aus und lassen das Regal dabei unangetastet. Ich bin bisher aber immer recht gut mit meiner Methode gefahren. Dann kommt der Bohrer zum Einsatz. Danach dann den Dübel rein, Regal dran, fertig.

Dann musste das Rad einmal Probestehen. Der höchste Punkt ist der Lenker und am Vorbau wollte ich das Rad mit einem Riemen befestigen. Also auch hier rasch den passenden Punk ausgelotet und die Bohrmaschine bemüht. Dübel rein, Haken rein, mit der Hand festziehen und fertig.

Damit das Rad auch in der Schräglage an der Wand hängen bleibt, braucht man noch einen entsprechenden Gurt dafür. Ich hatte zunächst an den Einsatz eines Kofferbandes gedacht, weil die meistens mit einem praktischen Plastikverschluss daher kommen. Aber im Baumarkt fand ich dann dieses Spanngurt-Set. Der Gurt hat eine Zugkraft von ca. 250 kg, was für das Enduro ausreichend ist. Wir erinnern uns, alles soll sich selber tragen können. Die Konstruktion ist immer nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. 5 € ins Phrasenschwein…

Na und schon ist man fertig! Ich habe mir erlaubt, den Gurt etwas einzukürzen, damit ich nicht immer so ein riesen Gebamsel um den Lenker wickeln muss. Aber der Gurt fällt kaum auf und er hält das Rad sicher an der Wand fest. Den zweiten lege ich mir auf Lager, falls ich mal ein Fatbike im Wohn… Ach, lassen wir das.

Wie schon gesagt, finden meine MTB-Brillen jetzt ihren Platz in dem einen Fach, während Tacho und Handys im anderen Fach ein zu Hause finden werden. Oder was anderes. Ich weiß es noch nicht. Dir sind da natürlich keine Vorgaben gemacht und du kannst es halten wie ein Dachdecker.

Kommen wir nun zur Moral meines kleinen Artikels. Für kleines Geld kannst Du Dir einen coolen Halter für Dein Fahrrad bauen. Die Materialkosten liegen (ohne Palette) bei 15,34 €. Voraussetzung ist natürlich, dass Du das passende Werkzeug schon hast oder jemanden kennst, der das Werkzeug hat. Wenn Du dann noch ein paar Stunden Zeit und etwas handwerkliches Geschick hast, steht einer Lösung wie der meinen hier, nichts im Weg.

Materialliste:

  • Eine handelsübliche Europalette
  • Spax 4×40 Schrauben
  • Nägel 8×85
  • Einen Spanngurt
  • Unterlegscheiben
  • Fischer Wandhaken mit Dübel
  • Rahmendübelset mit passenden Schrauben

Werkzeugliste:

  • Ein Brecheisen
  • Ein Unterlegholz
  • Eine Handkreissäge
  • Ein Zimmermannshammer
  • Ein Zollstock
  • Ein Bleistift zum Anzeichnen
  • Eine Schleifmaschine mit passendem Schleifpapier
  • Akkuschrauber mit entsprechenden Bohr- und Schraubaufsätzen
  • Schlagschrauber mit passendem Bohrer
  • Knarre, Verlängerung und 13er Nuss