Die gemeinsam einsam Runde

Dieser Tage ist an Alltag nicht zu denken. COVID-19 ist allgegenwärtig und bestimmt unser Leben mehr als jedes andere Ereignis in den letzten 70 Jahren zuvor. Und doch gibt es hin und wieder diese Momente, an denen alles normal zu sein scheint und man etwas Abstand von der Krise bekommt. Meistens hat das dann etwas mit einem Sattel und ein paar gemeinsamen Stunden mit seinem Bikebudy zu tun.

So geschehen am vergangenen Sonntag. Bereits Samstag funkte Tobi mich an und fragte, ob wir man wieder gemeinsam eine Runde drehen wollen. Die Regelungen in NRW lassen das zu, wenn man auf Distanz bleibt und die Gruppe nicht mehr als 2 Leute umfasst. Die Eckdaten für Sonntag passten also und so hatten wir ein Date.

Die Rahmenbedingungen für unsere Tour

Ich war pünktlich und Tobi ja sowieso. Tobi ist immer pünktlich, wenn es um solche Dinge geht. Unser Fokus lag heute nur auf Halde Hoheward, denn Hoppenbruch ist aufgrund der Coronakrise gesperrt. Für uns stand fest, heute keine Kameras, nur eine gute Zeit und wir halten uns an den selbstauferlegten Kodex der Biker:

  • Keine Experimente
  • Kein Geballer
  • Keine Stunts
  • Keinen Grund liefern, um einen Arzt oder ein Krankenhausbett zu blockieren

Zu den Randbedingungen muss ich sagen, Tobi ist derzeit gefühlt fitter denn je. Er hat mächtig abgenommen, absolviert regelmäßig Workouts und verbringt nach wie vor viel Zeit auf dem Sattel. Kurz um, ich werde nichts zu lachen haben. Im Moment haben es ihm offenbar die Höhenmeter angetan, vermute ich, denn er hatte auch heute ambitionierte Ziele.

Ich für meinen Teil bin fetter denn je. Nein, ich habe mich nicht vertippt. Ich arbeite schon mehren Wochen im Homeoffice und der Süßigkeitenschrank ist dort häufig mein liebster Bürokollege. Bike2Work fällt für mich im Moment halt auch flach und so wundert sich meine Waage derzeit regelmäßig über Besuche von dem schwerer werdenden Kerl, der doch eigentlich leichter werden wollte.

Gehen wir es an!

Unsere Route ist leicht beschrieben, denn sie ist ausgeschildert. Sie nennt sich XC-Rundkurs. Der Plan, hoch, XC-Downhill runter, wieder hoch, Kurventrail mitnehmen, weiter hoch, XC-Downhill runter, hoch, Kurventrail mitnehmen, weiter hoch und wieder runter… Das Ganze im Wechsel, so oft wie möglich und dabei auch noch entspannt. Der Kodex, wir erinnern uns.

Die ersten 300 HM konnte ich eigentlich auch recht gut mithalten, oder Tobi hat mich mithalten lassen. Ich weiß es nicht genau. Aber jeder Meter machte Spaß, hoch wie runter, denn das Wetter, oh Freunde, das Wetter! Es war fantastisch. Nach den endlosen Wochen voller Regen, Wind, Dunkelheit und Matsch: Endlich staubtrockene Trails!

Ausgezeichnetes Wetter für einen ausgezeichneten Tag

Damit einher ging für mich eine neue Art von Sorgenfalten. Denn den Winter durch habe ich mich jetzt an rutschigen Untergrund gewöhnt. Nicht, dass ich damit besonders gut klargekommen bin, aber sich jetzt erstmal wieder an Staub und Trockenheit zu gewöhnen, verlangte mir doch einiges ab. Ich war häufig wie verkrampft auf dem Bike, meine Kurventechnik konnte ich bisher auch noch nicht so richtig angehen und so ließen meine Abfahrten eine gewisse Gelassenheit vermissen.

Aber dennoch schruppten wir Höhenmeter um Höhenmeter, immer wieder hoch, immer wieder runter. Es war ein Fest. Am Ende standen dann tatsächlich 629 Höhenmeter auf meinem Tacho und dazu eine Strecke von 26,5 km. Mich hatte Tobi an dieser Stelle eigentlich kaputtgespielt, er hätte sicher noch ein paar Runden drehen können. Aber die Vernunft siegte über uns und so entschieden wir nach der letzten Abfahrt, dass es sich dabei um die letzte Abfahrt für heute gehandelt haben sollte.

Nicht alleine unterwegs

Bitte korrigiert mich, wenn ich mich irren sollte, aber ist die E-Bike Verteilung mittlerweile bei 50 % angekommen? Versteht mich nicht falsch, ich betreibe kein E-Bike Bashing, denn ich finde die Dinger sehr interessant. Aber mit großer Motorleistung kommt große Verantwortung. Und so muss sich mal jeder hinterfragen, ob es sinnvoll ist, ein Bio-Bike den Trail hochzujagen und dann ohne große Vorankündigung zu überholen.

Nennt mich sensibel und tut mein Gerede als „mimimi“ ab, aber hey: Höflichkeit siegt, oder? Und wenn man sich keine Klingel montieren möchte, dann hängt Euch doch auch eine Alpenhupe (*) an den Lenker. Dann hört man Euch und kann darauf reagieren. Ihr schadet mit dem teils asozialen Verhalten nämlich nicht nur Euch, sondern auch anderen. Denkt mal darüber nach.

Corona Kontaktverbot?

Und was war noch? Ach ja, das Kontaktverbot. Da muss ich sagen, war ich sehr angenehm überrascht. Die Halde war gut besucht. Vielleicht nicht so gut, wie an einem normalen Sonntag mit diesen Temperaturen, aber es waren zahlreiche Leute unterwegs. Viele machten Sport, so wie Tobi und ich, viele gingen spazieren, viele genossen das Leben. Aber was uns unabhängig voneinander aufgefallen ist, das offenbar alles im Rahmen der Ausgangsregeln von NRW ablief. Denn Radsportler haben wir meist nur zu zweit gesehen, Spaziergänger waren zumeist Paare und wenn größere Gruppen unterwegs waren, so waren sie doch deutlich als Familien zu erkennen.

Das lässt mich hoffen, dass wir alle gemeinsam aus dieser Coronakrise kommen können.

Viele Leute auf Tour, aber alles im Rahmen des erlaubten

Zahlen und Fakten

Die Tour habe ich natürlich bei Strava hochgeladen. Ich musste später nochmal ran, weil meine Kinder auch noch eine kleine Runde mit dem Rad fahren wollten. Da hatte ich jedoch Glück, dass wir nur etwas über die König-Ludwig-Trasse gefahren sind und es dort für maximal 33 HM gereicht hat.

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