Race Face AC 30 auf Tubeless umbauen

Ich habe mein Norco nun fast 3 Jahre und schon vom ersten Tag an beschäftigte mich die Frage: Will ich das Ding auf Tubeless umbauen? Bisher stand für mich eigentlich fest: Nein, das kommt nicht infrage. Ich habe mir immer Sorgen um das Burping gemacht. Dabei rutscht der Mantel ein wenig von der Felge und der Luftdruck entweicht in Sekundenschnelle. Die Folgen davon können ein Platten, oder im schlimmsten Fall, ein Sturz sein. Braucht man beides nicht. Daher ist mir mein Schlauch im Enduro immer irgendwie heilig gewesen.

Aber ich fahre schon lange Tubeless Technik in meinem Hardtail und bin damit sehr zufrieden. Also wirklich: SEHR ZUFRIEDEN! Deutliche weniger Platten, damit einhergehend natürlich deutlich weniger Schläuche die auf den Müll wandern. Perfekt.

Woher der Sinneswandel?

Ähnlich wie bei dem Rotwild damals, hat mich auch bei dem Norco eine Serie von Platten heimgesucht. Ich stand also jetzt vor der Entscheidung, ob ich neue Schläuche kaufen sollte, oder das Geld in Tubeless Ventule stecken will. Meine Race Face AR 30 Laufräder sind von Haus aus eh schon Tubeless-Ready, also warum nicht mal versuchen?

Ich baue das Bike aber in 2 Schritten um. Erst mache ich nur das Vorderrad, ein paar Tage später dann das Hinterrad. Warum? Weil ich keine Lust habe, immer zwei Schläuche mit mir herumzufahren, für den Fall, dass ein Reifen doch mal versagt. Wenn sich der eine Reifen etabliert hat, kann der zweite umgebaut werden. Das habe ich damals auch schon gemacht und damit bin ich (Achtung Wortspiel) „gut gefahren“.

Was brauche ich für den Umbau?

Wie schon erwähnt, ist mein Laufrad bereits Tubeless-Ready. Das bedeutet, auf ein herkömmliches Felgenband wurde verzichtet und es wurde gleich ein Tubeless-Felgenband eingezogen. Ist Deine Felge nicht Tubeless-Ready, musst Du zunächst herausfinden, ob Deine Felge grundsätzlich Tubeless umgebaut werden kann. Hast Du eine DTSwiss Felge, so ist sie Tubeless-fähig. Die Aussage habe ich mal vom DTSwiss Support erhalten.

Hast Du eine andere Felge, musst Du den Hersteller kontaktieren oder nach der Felge suchen. Hast Du dafür grünes Licht bekommen, brauchst Du ein spezielles Felgenband. Das bekommst Du beim Händler Deines Vertrauens oder bei Amazon (*). Ebenfalls ist es natürlich wichtig, dass der verwendete Mantel Tubeless-Ready ist. Auch da recherchierst Du am einfachsten im Netz, oder fragst den Hersteller.

Ist das mit den Felgen geklärt, brauchst Du natürlich noch die passenden Ventile. Ich habe anfangs auf welche von MilKit (*) gesetzt, weil man sie im Set mit einer praktischen Spritze bekommen hat. Damit kann man die Milch problemlos durch das Ventil einfüllen und veranstaltet keine Sauerei in der Garage. Heute verwende ich ein Muc-Off Tubeless Ventilset (*).

Als letztes brauchst Du eine passende Dichtmilch. Ich verwende die Finish Line Tubeless Dichtmilch im 1l Gebinde. Da man die Milch auch alle paar Monate mal wechseln sollte, ist ein kleiner Vorrat nie verkehrt.

Hier nochmal eine Übersicht:

Für einen erfolgreichen Umbau brauchst Du also folgendes:

  • Tubeless fähige Laufräder
  • ggf. Tubeless Felgenband (wenn Laufrad nicht schon Tubeless-Ready ist)
  • Tubeless Ventile
  • Tubeless Dichtmilch
  • Tubeless-Ready Mäntel
  • Einen Kompressor oder eine Luftpumpe für einen Druckschub

Wie habe ich umgebaut?

Schritt 1)
Zunächst einmal muss das Laufrad raus, der Mantel muss runter und der Schlauch muss raus.

Schritt 2)
Ziehe entweder das Felgenband ein oder prüfe Deine Felge, ob das Band bereits vorhanden ist.

Schritt 3)
Reinige die Falz des Mantels und der Felge von groben und feinem Schmutz. Nur eine sauber aufliegende Verbindung sorgt später für die nötige Dichtigkeit. Ich verwende dazu ein Reinigungstuch und einen trockenen Lappen.

Schritt 4)
Installiere das Ventil in die Ventilöffnung. Bei den Muc-Off Ventilen werden verschiedene Dichtungsgummis mitgeliefert, je nach Felgentyp musst Du das passende Gummi auf das Ventil ziehen. Du musst das Ventil nicht festballern, wie ein Bekloppter, es reicht, wenn das Ventil handfest angezogen und danach nochmal mit einem Inbus festgezogen wird. Weniger ist hier ggf. mehr.

Lose eingestecktes Ventil

Achtung: Die Stylepolizei will es so, dass die Logos gut sichtbar montiert werden müssen. Daher kannst Du die Logos erstmal so ausrichten, dass man sie gut erkennen kann und danach mit dem oben angesprochenen Inbus das Ventil festziehen.

Style muss sein, habe ich gehört

Schritt 5)
Nun muss der Mantel wieder auf die Felge gezogen werden. Achte darauf, dass er mittig im Felgenbett liegt, während Du ihn montierst. Ist er rundherum aufgezogen, kommt auch hier die Stypepolizei wieder zum Zug. Das Logo der Reifen muss am Ventil ausgerichtet werden.

Wer sich das ausgedacht hat, hatte wohl zu viel Zeit.

Schritt 6)
Der Mantel muss mit Milch befüllt werden. Vorab drehe ich das Ventil, mit dem mitgelieferten Werkzeug, aus der Hülse. Zum befüllen verwende ich das oben erwähnte MilKit. Ich ziehe die Spritze mit 50 ml Dichtmilch auf und führe den Dorn durch die Ventilhülse in das Laufrad ein. Das wiederhole ich 3x, denn ein 29″ Laufrad braucht zwischen 120 und 150 ml der Finish Line Dichtmilch. Ich gebe am Anfang gerne etwas mehr Milch in den Reifen, weil ich mir einbilde, dass dieser erst noch „richtig dicht“ werden müsse.

Das MiKit bei der Penetration

Schritt 7)
Jetzt kommt der heikelste Teil. Luft muss in den Reifen und das so, dass er gleich in die Falz der Felge springt und möglichst schnell dicht ist. Dafür eignet sich ein handelsüblicher Kompressor mit entsprechendem Aufsatz. Hat man keinen Kompressor zur Hand, gibt es eine Reihe von Alternativen

Die oben stehende Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, das Prinzig ist aber sicher deutlich geworden.

Ich verwende einen Kompressor in meiner Garage. Mit dem richtigen Schub knallt der Reifen in die Falz und gibt noch ein paar knallende Bestätigungssignale von sich. Ich fahre den Reifen mit 2 Bar Druck. Die gebe ich auch sofort auf den Reifen drauf.

Schritt 8)
Wenn die Luft drin ist, klopfe ich das Laufrad mehrfach im Kreis auf den Boden, Sinn der Übung ist, a) die Milch zu verteilen und b) den Mantel an allen stellen in die Falz zu drücken. Das wiederhole ich auf beiden Seiten. Danach spanne ich das Laufrad wieder in die Gabel ein und drehe das Rad. Die Milch muss sich schön verteilen, damit alle möglichen Undichtigkeiten geschlossen werden können. Vereinzelt kommt sogar Milch auf dem Mantel heraus oder man findet später kleine Milchreste auf der Felge. Alles okay, solange kein Zischen zu hören ist, oder die Milch in Strömen aus dem Mantel läuft.

Jetzt musst Du ein halbes Stündchen warten und sehen, ob der Luftdruck erhalten bleibt. Ich fahre Maxxis, die lassen sich offensichtlich sehr gut und einfach Tubeless fahren. Mit meinen Continental X-King habe ich das mehr „Probleme“ gehabt.

Probefahrt

Muss sein. Ist auch nach einer halben oder ganzen Stunde keine, oder kaum, Luft aus dem Reifen entwichen, dann mache eine kleine Probefahrt. Erst auf dem Hof, dann vielleicht ein paar Meter die Straße entlang. Ziel der Übung ist, die Milch weiter zu verteilen und natürlich zu prüfen, ob alles hält.

Einen Tag später habe ich dann eine kleine Tour über die örtlichen Halden gemacht. Wann Du Deine Probefahrt machst, ist Dir aber selber überlassen.

Video

Ich habe bereits 2017 ein Tutorial zum Umbau an meinem Rotwild veröffentlicht. Das findest Du hier. Für den Umbau des Enduros gibts auch ein Video. Viel Spaß damit.

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