Ride without a reason

Heute war es dann endlich wieder mal soweit. Alle Familienmitglieder waren beschäftigt und so blieb etwas Zeit, um der Halde Hoheward mal wieder einen Besuch abzustatten. Der Weg dorthin grenzt mittlerweile an Routine. Nahezu jeden Tag fahre ich ihn auf dem Weg zur Arbeit. Doch wo ich normalerweise links abbiege, um zum Rhein-Herne Kanal zu wechseln, ging es diesmal geradeaus weiter, immer an der Emscher entlang. Schließlich erreichte ich die Drachenbrücke, von der ein Zickzackweg bis nach oben zu Sonnenuhr führt. Es handelt sich dabei auch um ein Strava Segment, aber das sei nur nebenbei erwähnt.

Bereits auf dem Weg zur Halde komme ich so ins Grübeln. Warum mache ich das hier eigentlich alles? Die Frag wurde mir neulich mal gestellt. Ich bin mir auch nicht sicher warum. Will ich etwas beweisen? Möchte ich hiermit etwas beweisen? Muss ich jemandem etwas beweisen? Ich denke nicht. Das Radfahren macht einfach nur Spaß. Besonders, wenn man es macht, weil man es will. Das hätte ich mir vor einigen Jahren nicht träumen lassen. Meine Gedanken springen zurück. Damals, als ich meinen Arbeitskollegen Bernd für verrückt erklärt habe, nur weil er recht häufig mit seinem Rennrad zur Arbeit gekommen ist. „Hast du denn kein Auto mehr?“ „Das könnte mir ja nie passieren!“ waren so meine Sätze. „Was stimmt denn nicht mit Dir?“ Bernd ist Triathlet und hat schon mehrere Ironman absolviert. Und heute? Heute ist er unterbewusst irgendwie ein Vorbild. Ich sitze heute selber bei Wind und Wetter auf dem Rad und fahre damit zur Arbeit. Regen, Schnee, Wind, Sonne, alles kein Problem. Ich habe mich in der Zwischenzeit bei ihm für meine Äußerungen von damals entschuldigt, denn er sollte Recht behalten also zu mir sagte: „versuch das mal, dann verstehst du warum ich das mache!“  

Aber das habe ich damals nicht verstanden. Damals, mit 15 Kilo mehr auf den Hüften. Wie blöd man manchmal ist, oder?! Das ich mal so ein Spaß an Bewegung haben würde. Tz… Wenn man so im Sattel sitzt, denkt man eine ganze Menge nach. Heute hatte ich wieder die Kopfhörer in den Ohren und habe meine #bike2work Playlist gehört. Schön laut, um die Umwelt auszublenden. Straßenverkehr habe ich heute nicht gesehen, weil die Route nicht über Straßen ging, von daher keine Gefahr. Und da das Wetter eher wechselhaft unterwegs war, habe ich auch keine anderen Radfahrer behindert, die mich überholen wollen könnten. Hinter der Halde versteckte sich ein ordentlicher Regenschauer, den habe ich bei meiner Abfahrt noch nicht gesehen. Den entdeckte ich erst, als ich oben die Sonnenuhr erreichte. Es ist schon sehr beeindruckend zu sehen, wenn der Regen aus den Wolken kommt auf die Erde hinabregnet. Ich hielt an der Sonnenuhr an und machte das obligatorische „oben angekommen“ Foto.

Wieder stellt sich mir die Frage: warum mache ich das? Warum betreibe ich diesen Blog? Nun, ich habe mein Hobby schon immer gern im Internet präsentiert. Seit 1998 betreibe ich eine Webseite namens Corsa-A.de. Damit verbunden ist ein kleines aber qualitativ hochwertiges Forum. Die User dort wissen wovon sie sprechen und Idioten haben dort noch nie ein zu Hause gefunden. Aber die Zeit ist mittlerweile vorbei, ich schraube nicht mehr an Autos, Fahrräder sind jetzt mein Ding. Die Übergabe des Corsa-A.de Projekts ist im vollen Gange und auch meine Schrauberhalle wird derzeit geräumt. Auch das hätte ich vor ein paar Jahren noch nicht träumen lassen. Aber so ändern sich die Zeiten.

Ich stelle fest: ich bin viel zu selten hier oben. Dabei liegt die Halde wirklich nur ein Steinwurf von meiner Haustür entfernt. Gleich nebenan ist die Halde Hoppenbruch. Der Hotspot für abwärtsorientierte Mountainbiker. Aber mir fehlt leider nach wie vor die passende Hardware, um mich dort richtig austoben zu können. Aber die Dinge entwickeln sich, und vielleicht geht es jetzt schneller als ich denke. Ich schau den Wolken noch eine kleine Weile zu, bemerke aber, dass der vermeintliche Regenschauer genau meine Richtung kommt. Darauf habe ich jetzt wirklich keine Lust und ich suche das Weite.

Obwohl es recht windig ist entscheide ich mich für meine Abfahrt, die Cross Country Strecke der Halde zu wählen. Zum ersten mal, seit einer ganzen Weile, kann ich mein Bike wieder vollständig einsetzen. Die Jungs von WatzUp in Oberhausen haben ganze Arbeit geleistet. Es war dort zu einer gründlichen Inspektion, denn wir dürfen nach wie vor nicht vergessen: ich bin Anfänger, was das Schrauben angeht. Ich lerne immer noch dazu. Aber manchmal ist es wichtig, ein Profi auf sein Gefährt schauen zu lassen, damit ein nichts unerwartetes passiert. Ich rolle also ganz entspannt den XC-Rundkurs herunter, halte noch kurz für ein Foto an, stellt den Sattel ein paar Zentimeter tiefer und lass die Sache rollen.

Unten angekommen, empfängt mich ein Mix aus dicken Tropfen und Hagel. Das kann ich jetzt wirklich nicht gebrauchen und ich suche Schutz an der alten Zeche Ewald. Der Schauer ist nur von kurzer Dauer und so kann ich schon nach wenigen Minuten den Heimweg antreten. Ich habe jetzt Rückenwind und das Rad fährt wieder fast wie am ersten Tag. Leise, laufruhig und schnell. Meine Hose ist schlammig, ich habe Schlammtropfen im Gesicht und ein leicht dreckiger Rahmen sind die Ausbeute meiner kleinen Feierabendtour. „Alles richtig gemacht“, möchte man sagen.

Wieder am Stadthafen angekommen, gelingt es mir noch den letzten Fetzen eines Regenbogens mit der Kamera einzufangen. Als ich die letzten Kilometer meiner Heimreise in Angriff nehme, denke ich noch mal so darüber nach, was sie nächsten Tage so ansteht. Ich möchte in dieser Woche noch eine 100 km Tour machen, bevor wir am Sonntag die Haard Tour mit dem Haard-Rocker fahren. Vor der großen Tour möchte ich meine Laufräder aber noch auf Tubeless umbauen. Ich würde das aber eigentlich gerne vor laufender Kamera machen, denn ich habe mir für meinen YouTube Kanal noch einige Sachen einfallen lassen. Aber ich möchte ehrlich gesagt nicht meine unaufgeräumte Garage filmen, von daher weiß ich nicht genau ob aus dem Tutorial etwas wird. Fotos ja, Anleitung auch ja, aber Video? Ich weiß nicht. Ich will ja einen guten Eindruck hinterlassen. Mal sehen.

Zufrieden schließe ich mein Rad wieder im Keller ein. Das Leben kann manchmal schon sehr gut zu einem sein. Ich sollte das nicht vergessen, wenn es das nächste mal wieder hart und ungerecht zu mir ist. Ich wünschte, alle Menschen könnten diesen Moment der Glückseligkeit erleben. Einen Augenblick lang wünsch ich mir den Weltfrieden. Aber mal ehrlich, das wäre jetzt etwas viel für diesen Beitrag, oder?

Weiterführende Links:

Die Tour bei Strava