Tour 2 – Ach hätten wir jetzt nur einen Guide #Hldt16


Weisse Bescheid?

Unsere Gruppe bestand diesmal nur aus 6 Leuten. Neu dabei war mein Nachbar Mike, welcher auch sonst oft mit mir auf Tour ist. Mit dabei waren die Wiederholungstäter Tobias, Michael von BellCreekBiking.de, Thorsten von RuhrMTB.de, mein alter Freund Manny und natürlich ich. Vorab ein Wort zum Wetter? Bäh! Bedeckt bei Temperaturen um 4°C und viel Wind. Ich hatte die Hoffnung, dass es nach wenigen Kilometern aufklaren würde, aber dieser Wunsch blieb leider unerfüllt.


Hochwasserstauwerk an der Emscher

Die Strecke war wieder auf Kilometer ausgelegt. Viel Emscher, viel Kanal, ein paar Höhenmeter an der Halde und etwas Fahrspaß auf der MTB-Arena. Geplant habe ich die Tour per GPSies.com. Und ich muss sagen, die Strecke ist teilweise echt scheiße. Theoretisch sollte die Anfahrt zur Halde uns an der Emscher entlang führen. Praktisch ist das aber im Moment kein Spaß. Ständig hast Du Baustellen, ständig musst Du Umleitungen fahren, die nicht immer ausgeschildert sind, und ständig fährt man auf der Straße. Das war so nicht geplant. Wenn das mal alles fertig ist, wird es sicher wieder gut, denn dann schaffst Du die rund 20 Kilometer in unter einer Stunde und bist ruck zuck an der Halde. Aber so? Nee, schön geht anders.


Wat mutt, dat mutt! Piss-Stop unter der A45

Erschwerend kam dazu, dass ich zum ersten mal in unbekanntem Terrain unterwegs war und mich nur auf die Navigationsfunktion des Garmin Edge 800 verlassen habe. Schwierig, denn oft waren Garmin und Menschenverstand nicht einer Meinung. Hier ist noch viel Luft nach oben für mich.

Aber auch wenn es vielleicht bisher so rüber kommt, es war nicht alles schlecht. Die Stimmung war wieder sehr gut, die Leute sowieso. Jeder hat sich mit jedem verstanden und es wurden viele interessante Gespräche geführt. Den ein oder anderen Spruch gab es natürlich auch. Zusammenfassend möchte ich aber an dieser Stelle schon sagen: Mit Euch fahre ich jederzeit wieder! An dieser Stelle auch der Hinweis auf die Sommerrundfahrt von BellCreekBiking.de im Sommer 2016. Wenn alles passt, bin ich auf jeden Fall dabei!


Der Aufstieg

Für die 28 km zur Halde brauchten wir etwas über 2 Stunden. 2 Stunden Gegenwind und Kälte. Das war kein Zuckerschlecken, aber es ging. Die Laune besserte sich, als wir endlich die Beschilderung der MTB-Arena fanden und somit eine Gewissheit hatten, auf der richtigen Spur zu sein. Am Horizont entdeckten wir einen Biker mit Fully. Der fuhr auch in Richtung Halde. Vielleicht kannte er ja den Weg, wir hängen uns ran!

Und tatsächlich, der Biker fuhr die Halde hinauf, er hatte zweifelsfrei das gleiche Ziel wie wir. Hinterher! Die Halde bietet rund 50 Höhenmeter. Nix besonderes also. Aber viel mehr wirst Du hier im Revier nicht finden, fürchte ich. Nun gut, unser Tross stürmte hinauf, Mike und Michael konnten es scheinbar nicht abwarten und waren ruck zuck oben. Wir andern nutzten unsere kleinsten Gänge und trampelten gemütlich hinterher.


Kokerei Hansa

Ein paar Worte zur Halde Deusenberg. Die Halde ist eine rekultivierte Müllkippe und liegt direkt neben der 1992 geschlossenen Kokerei Hansa. Stillgelegt wurde die Zeche schon eher, aber erst mit der Stilllegung blühte die Region wieder auf. Nach und nach erobert die Natur die Halde zurück. Weitreichende Informationen dazu findest Du auf Halden.Ruhr.


MTB-Arena auf der Halde Deusenberg

Oben angekommen, holten wir auch den Biker ein. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um Alphy handelt, einen ehemaligen britischen Soldaten, welcher bereits ein paar meiner Videos auf YouTube kommentierte und auch schon per Mail mit mir in Kontakt stand. Mit ihm hätte ich hier ja wirklich nicht gerechnet, umso größer war meine Freude ihn mal persönlich kennenzulernen.


Mike lernt fliegen

Während Mike, Alphy, Tobias und ich unsere Skills auf der Strecke testeten, gingen Manny und Michael lieber in Deckung. Der Wind war echt unangenehm und wir hatten auch schon während der Anfahrt mit Gegenwind zu kämpfen. Tobias tastete sich an die fest installierten Drops heran, und Mike zeigte uns wie das aussehen kann. Ich entschied mich für den Rundkurs mit Anlieger und Tables. Aber alles im hardtailtauglichen Rahmen.


Auch Tobias testet seine Grenzen aus

Man kann sich hier prima austoben. Wenn man mal stürzt, landet man im Gras. Auf dem Rundkurs hat man immer genug Auslauf, wenn man mal was falsch macht und kurzfristig die Strecke verlassen will / muss. 3 Drops laden dazu ein, seine Grenzen zu erforschen und sich selbst zu überwinden. Ich finde ja, biken ist wie vom 10er springen. Am Anfang traut man sich nicht und wenn man dann erfolgreich gesprungen ist, will man gleich nochmal. Die Jumpline, mit ihren 3 Hügeln haben wir aber ausgelassen. Irgendwie hat ihr keiner Beachtung geschenkt.


Treppen fahren… Es könnte ein Ritual werden

Wir blieben nur relativ kurz auf der Halde. Der Wind war wirklich unangenehm und die Sonne blieb nach wie vor verschollen. Alphy gab uns einen Tipp, wo wir die Halde herunterfahren könnten. Eine schöne, teilweise steile Strecke mit ein paar Hindernissen. Wir kamen dem Tipp nach und fuhren den Trail hinunter. Steil und wellig und am Ende mit Serpentinen. Ganz nach meinem Geschmack. Irgendwie habe ich nach wie vor im Kopf, dass ich ein Fully brauche, genau für solche Situationen. Aber es war alles kein Problem.

Unten angekommen entschieden sich Michael und Thorsten dafür, gleich nochmal hoch zu fahren um die gleiche Abfahrt erneut zu nehmen. Tobias und Mike fanden die 137 Meter lange Treppe interessant. Zur Erinnerung: Manny und Tobias konnten sich auf der ersten Tour der Anziehungskraft, einer relativ langen Treppe am Nordsternpark, schon nicht entziehen. Manny hatte heute aber keine Lust. Ihm war einfach zu kalt. Aber Mike ließ sich nicht zweimal bitten und schon machten sich beide auf den Weg nach oben.

Kurze Zeit später machten sie sich wieder auf den Rückweg. Stufe für Stufe. Auch Thorsten und Michael trudelten wieder ein. Ich hatte in der Zwischenzeit geschaut, wie wir zum Dortmund-Ems Kanal gelangen können, um den Heimweg anzutreten.


Dortmund-Ems Kanal in Richtung Castrop-Rauxel

Um den Dortmund-Ems Kanal zu erreichen, mussten wir zunächst wieder durch ein Wohngebiet. Diesmal aber deutlich hochwertiger als vorher in Castrop. Dort sind wir nämlich durch eine alte Bergbausiedlung geradelt. Ruhrpott pur, wenn man so will. Aber schon nach wenigen Metern erreichten wir den Kanal und konnten dann ordentlich Meter machen. Der Wind drückte jetzt endlich von hinten, anstatt von vorn, wie auf dem Hinweg. Unser nächstes Ziel: Das alte Schiffshebewerk in Castrop-Rauxel Henrichenburg. Feuer frei!

Dann kam das Thema Navigation wieder auf. Ich war mir sicher, dass wir die Kanalseite wechseln mussten, damit wir das Schiffshebewerk erreichen können. Das Navi meinte das aber nicht. Na es sollte Recht behalten. Auf halber Strecke schlug das Navi dann erneut zu. Die Strecke wurde unterbrochen und man musste eine Straße überqueren. Irgendwie haben wir uns da falsch verstanden, denn wir fanden uns kurze Zeit später neben dem eigentlich Weg, am Kanal entlang, wieder. Michael meinte daraufhin: „Ach hätten wir jetzt nur einen ordentlichen Guide!“ *grummel* Er hat ja Recht.

Nach kurzer Irritation fanden wir aber den Kanal und den dazugehörenden Weg wieder. Ehrlich gesagt, war er ja auch nicht zu übersehen. 3 Meter neben uns, hinter einem kleinen Hügel. Aber lachen mussten wir dennoch.


Das historische Schiffshebewerk Henrichenburg

Am Schiffshebewerk angekommen, machten wir eine letzte Pause. Rund 10 Kilometer standen noch aus und wir hatten bereits richtig Meter gemacht. Ich wollte den Jungs die Sitzgelegenheit zwischen dem LWL Museum und dem neuen Hebewerk zeigen. Hier verweile ich immer für eine Minute, wenn ich meine Feierabendtour zum Hebewerk mache.

Leider war dieser Platz aufgrund des Windes heute auch keine gute Wahl. Denn der eben noch gelobte Rückenwind kühlte uns relativ schnell wieder aus. Also nix wie rauf auf die Bikes und ab nach Hause. Wir ließen es uns nicht nehmen, durch den historischen Teil des Schiffshebewerks zu fahren. Hier geht es einige Meter bergab und man bekommt richtig Geschwindigkeit. Wenn man nicht rechtzeitig lenkt oder bremst, landet man im Hafenbecken. Aber wir hatten es im Griff. 


Rhein-Herne Kanal

Der Rückweg führte uns nun am Rhein-Herne Kanal entlang in Richtung Start und Ziel. Hier brauchte ich kein Navi mehr, denn die Strecke kenne ich gut. Wir passierten auch den Punkt, an dem mein letzter Rahmen gebrochen war. Immer wieder ein blöder Moment, aber auch diesmal blieb alles heile.

Es wurde ruhiger in der Gruppe. Man merkte nun langsam, dass die Kondition zur Neige ging. Der zermürbende Wind und die Kälte sind halt schon eine Herausforderung. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir erst März haben und auch ein leichter Wind bei 4 °C nochmal eine ganz andere Wirkung hat. Aber man muss auch festhalten, dass alle die Strecke problemlos gemeistert haben.

Die letzten Meter waren dann auch relativ schnell abgespult. Als die Jungs erkannten, dass Sie ganz in der Nähe des Startpunks waren, kehrte schlagartig auch die Redseligkeit zurück. Die Laune verbesserte sich und die Zähne wurden nochmal zusammengebissen.


Zielgerade

Am Ziel angekommen waren wir glücklich, dass wir es wieder geschafft hatten. Michael gründete Spontan noch eine Whatsapp Gruppe, was mein Gefühl nur bestätigte, dass wir uns nicht zum letzten mal in dieser Konstellation gesehen haben.

 

Fassen wir mal zusammen:

Die Strecke an der Emscher entlang ist aufgrund der Baustellen im Moment total unattraktiv zu fahren. Wenn die Baustellen beseitigt sind, kann man in kürzester Zeit viele Kilometer zurücklegen und so sein Ziel schnellstens erreichen.

Die Halde Deusenberg lohnt sich, wenn man Mountainbike Anfänger ist. Man kann hier die Grundlagen des Bikens austesten und ein Gefühl für sein Bike bekommen. Sollte ich mir bald ein Fully kaufen können, ich werde dort trainieren!

Die Strecke am Dortmund-Ems Kanal entlang ist schön. Das Wasser ist blaugrün und wenn die Temperaturen stimmen, ist es sicherlich herrlich hier zu fahren.

Das Navi in meinem Edge 800? Na wir werden sicher noch Freunde, aber wir brauchen noch Zeit.

Ich möchte mich auf diesem Weg noch bei meinen Mitfahrern bedanken. Schön, dass Ihr wieder dabei gewesen seid. Ich wette, wir bekommen noch richtig viel Spaß in diesem Jahr. Besonders wenn es wärmer wird. Die nächste Tour wird aber geländelastiger, denke ich.

 

Hier ein paar Eckdaten zur Tour: 

Die Tour bei Strava

Die Tour bei GPSies.com