Auf zur Zeche Zollverein


Segen für das Ruhrgebiet – Die Erzbahntrasse

Kurzer Blick auf die Wetter App, kein Regen zu erwarten. Kurzer Body-Check (ohne Hosen) auf dem Balkon. Kurze Klamotten gehen… Gehen wirklich? Na ja, kurze Hose geht immer. Ich trampel mich ja warm. So der Gedanke. Also die Flaschen befüllt, die Tasche gepackt, den iPod rein und ab ging die Post. Mit den Motivationskünstlern von System of a Down im Ohr, wurde mir auch schnell warm. Ich starte in Recklinghausen Süd. Es ging wieder kurz durch den Südpark, raus auf den Florian-Polubinski-Weg und schon bin ich fast am Rhein Herne Kanal. Ich stellte schon in den Anfangsminuten fest, dass die kurze Hose vielleicht doch nicht so ganz die optimale Wahl war, denn wenn die Sonne aus den Wolken grüßte, war alles gut. War sie dahinter verborgen, waren 5°C schon echt ne Herausforderung. Zu allem Überfluss merkte ich dann am Rhein-Herne Kanal auch gleich, dass ich Gegenwind hatte. Kein Spaß.

Meine eigentliche Route sollte mich entlang des Rhein Herne Kanals bis zum Nordstenpark in Gelsenkirchen führen. Von dort wollte ich dann „die nächste“ links abbiegen und in Richtung Zollverein radeln. Mich sollte der Hinweg rund 1 Stunde und 20 Minuten beschäftigen, und ich würde dabei um die 20 – 25 km zurücklegen. Was mich allerdings etwas nervös machte war die Tatsache, dass ich nicht genau wusste, wo ich denn links abbiegen musste. Und nichts ist ärgerlicher, als mit dem Bike ein paar km in die falsche Richtung zu fahren und es dann erst zu merken.

Weiter kam auch noch der Gegenwind dazu und so entschied ich mich am Cranger Kirmessplatz spontan auf die Erzbahntrasse zu fahren und meine Strecke zu radeln, die ich bald auch wieder täglich aus dem Weg zur Arbeit bewältigen sollte. Hier hatte ich den Richtungsweiser nach Zollverein schon gesehen und so schien das ein guter Plan zu sein.


Spontane Bilder sind meine Stärke, NICHT! Der Dicke und sein Bike, „vorre“ Zeche Zollverein

Die Fahrt verlief reibungslos, denn die Erzbahntrasse ist wirklich angenehm zu fahren. An manchen Passagen ist sie etwas anstrengend, aber wir wollen uns nicht beklagen. Spannend finde ich ja immer, wie nah man teilweise fremden Gärten kommt, wenn man auf der Trasse unterwegs ist. Bei der Erzbahntrasse handelt es sich ja um stillgelegte Güterzugstrecken, die als Wander- und Radwege umgebaut wurden. Wer damals also sein Haus in der Nähe der Gütergleise für kleines Geld gekauft hat, hat heute sicher den Jackpot gezogen, wenn denn noch ein Stein auf dem anderen steht.

Nach ca. 25 km war es dann endlich soweit. Ich erreichte mein erstes Tagesziel, die Zeche Zollverein. Ein kleiner Snack, ein paar Fotos für den Blog und dann wollte ich noch etwas die Gegend erkunden, bevor ich zur Heimreise startete. Passend zur Temperatur, haben sich auch meine Akkus für die Kamera vor Ort verabschiedet. Schade, aber auch denen schien wohl kalt zu sein.


Kleine Unwucht? Ah, verstehe!

Auf dem Hinweg hatte ich teilweise ein komisches Gefühl an der Hinterachse. Eine leichte Unwucht, die ich nicht zuordnen konnte. Das Bike schnurrte die ganze Zeit leise und gleichmäßig vor sich hin, aber grade wenn ich volles Tempo gefahren bin, fühlte sich die Hinterachse subjektiv ungesund an. Der Reifendruck sah während der Fahrt aber durchaus akzeptabel aus und einen Grund zum Anhalten und zur näheren Prüfung hatte ich auch nicht. Erst, als ich dann am Ziel war, stellte ich den Grund für die Unwucht fest. Ein blinder Passagier.


Eine sehr beeindruckende Kulisse

Zurück zur Zeche. Ich hatte schon mal eine kleine Fototour mit ein paar Freunden unternommen und dachte damals, schon alles gesehen zu haben. Weit gefehlt! Aber jetzt auf dem Bike, war ich recht flott unterwegs und konnte mir somit schneller einen Überblick machen und HIMMEL, die Anlage ist ja riesig! Mir war das bisher gar nicht so bewusst. Es gibt auch an jeder Ecke etwas zu entdecken, zig kleine Ausstellungen, Führungen, lauter kleine Schätze, die grade für Leute mit Zechen-Fetisch und Fototick interessant sind. Die Zeche ist echt eine Goldgrube. Ich war sehr beeindruckt und muss gleich mal einen neuen Termin für eine Fototour in die Wege leiten.


Das obligatorische „neben dem Rad, auf das Motiv“ Foto darf nicht fehlen.

So, langsam wurde es wieder Zeit den Heimweg anzugreifen, denn mir tat schon gehörige der Hintern weh, die Beine waren auch sehr kalt und irgendwie hatte ich dieses Gefühl von „genuch“ in den Knochen. Ich machte mich als auf den Einstieg in die Erzbahntrasse zu suchen und fand bei der Beschilderung den Hinweis auf den Nordsternpark. Hmm, da wolle ich ja eh hin, also Feuer frei und ab geht’s.


Weisse Bescheid, woll?

Diese Beschilderung ist hier im Pott seit einigen Jahren an fast jeder Ecke zu finden. Durch die Schilder ist es eigentlich recht leicht, auch ohne umfassendes Kartenmaterial seine Route zu finden. Ähnlich wie bei einer Straßenkarte, kann man sich nach Sehenswürdigkeiten orientieren. Ich würde mir allerdings mal eine Übersicht der ausgeschilderten Sehenswürdigkeiten und Anlaufstellen wünschen, damit man (wie Papa damals) sich eine Route abstecken kann und sagt: Ich fahre erst zum Nordsternpark, dann zum Umspannwerk und von dort nach was weiß ich. Vielleicht gibt es das ja auch schon, aber ich habe zumindest noch nichts Entsprechendes gefunden.


Das Amphitheater am Nordsternpark

Nach ein paar Kilometern erreichte ich dann den Nordsternpark. Auch hier war ich schon mal mit meiner Kamera unterwegs und so wollte ich heute nichts viel Zeit hier verbringen. Da ich mittlerweile gesehen hatte, dass Runtastic nicht immer automatisch gestoppt hatte, wenn ich anhielt, wollte ich mir meine Gesamtzeit nicht noch durch weitere Pausen verderben. Da aber, durch das Tief Ela bedingt, noch immer einige Wege gesperrt waren, war es gar nicht so einfach aus dem Park wieder rauszukommen?! Erst nach ein paar Minuten hatte ich den richten Weg erwischt und konnte wieder Gas geben.

Die Strecke vom Nordsternpark nach Hause ist ganz anders, als der Weg über die Erzbahntrasse. Er gleicht tatsächlich eher einem Trail, als einem Rad- und Wanderweg. Viele Schlaglöcher, viel Schlamm, viele Äste auf dem Weg. Gut, mich stört es nicht, aber hier kann man noch nachbessern. Erst wenige Kilometer vor der Grimberger-Sichel wird der Belag wieder besser und so können auch Rennradfahrer wieder zügig fahren.

In einem Schlammloch hat es mich auch fast gelegt. Ich ging davon aus, lediglich eine kleine Pfütze zu durchfahren und ehe ich mich versah, ging mir das Vorderrad weg. Ich konnte aber noch rechtzeitig reagieren und das Rad abfangen. Kein Problem.


Rechts standen viele kleine Bäume und Sträucher

Das Tief Ela ist auch so ein Thema. Ihr ist ja viel Baumzeug zum Opfer gefallen. Man versucht sogar heute noch die Schäden zu beseitigen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass man mittlerweile nicht mehr so filigran vorgeht, wie noch zu Anfang. Mittlerweile finde ich viele brach gerodeten Stellen vor, die vorher noch kleine grüne Alleen waren. Hier geht eine ganze Menge Charme verloren, ich hoffe das der Sommer da viel reparieren kann.


Erste Abnutzungserscheinungen

Und dann war es endlich soweit. Der heimische Garagenhof war erreicht und die Strecke war absolviert. Meine Beine fühlten sich ziemlich fest und kalt an. Jetzt noch ein paar Stockwerke nach oben und die Dusche konnte mich wieder auftauen. Denn es war doch sehr frisch. Ich hätte mich für die lange Hose entscheiden sollen. Aber gut, überstanden und feddich. Nur mein Sattel hatte etwas gelitten. Er weist nun schon die ersten Abnutzungsspuren auf. Na ja, ist halt ein Gebrauchsgegenstand.


Bis bald, schlaf gut.

Fazit: Zollverein ist immer eine Tour wert. Die heute, hat mich aber echt schon an meine Grenzen gebracht. 51 Kilometer sind aus dem Stehgreif ne Hausnummer, für die ich noch ein paarmal trainieren muss. Die Sonne hat mir heute auch veräppelt, denn sie hat sich die meiste Zeit hinter den Wolken versteckt und mir in meinen kurzen Hosen echt nichts zu lachen übergelassen. Für Tourer mit Mountainbike ist die Tour schön. Man macht viel Strecke und hat kaum technische Herausforderungen. Dazu müsste man ins Gelände gehen, aber die Möglichkeit hat man hier nicht. Ich bin sicher, dass ich diese Strecke in diesem Jahr noch ein oder zwei mal fahren werde. Ich freue mich drauf und hoffe auf mehr Sonne und bessere Temperaturen. Vergessen dürfen wir aber nicht, wir haben Februar.