đŸ“· | đŸŽ„ – R.I.P. XC-Kurventrail

Auf der Halde Hoheward hat der RVR den sogenannten XC-Kurventrail repariert. Dabei handelt es sich um eine rund 410 Meter langen Trail mit rund 10 % GefĂ€lle auf der SĂŒdseite der Halde. Ein paar Anlieger machen die Abfahrt zum Kurventrail und der Schnellste schafft es bei Strava in 34 Sekunden, bis das Segment absolviert ist.

Wir mĂŒssen dem RVR fĂŒr dieses Engagement dankbar sein, denn ohne die Initiative des Regionalverband-Ruhr gĂ€be es vermutlich keine einzige legale Möglichkeit, auf den Halden der Region zu biken. Ich möchte mein Artikel und auch das angehĂ€ngte Video daher keinesfalls als Bashing oder Wutrede in Richtung RVR verstanden wissen, denn das soll es nicht sein. Aber fangen wir von vorne an.

Was ist passiert?

Wenn der RVR Reparaturen auf den Trails der Halden ankĂŒndigt, halten die Locals oft vor Spannung die Luft an. Meistens kommt die Spannung aber nicht von der Vorfreude auf das, womit der RVR einen reparierten Trail vielleicht noch aufwerten wird, sondern eher vor der Sorge, dass man den Trail hinterher nicht mehr wiedererkennen wird. Oft werden Trails bei den Reparaturen verbreitert, ihrer Seele beraubt und mit Schotter ausgebessert.

Stein(e) des Anstoßes

Und jetzt war eben auch mal der XC-Kurventrail an der Reihe. Zugegeben, das Ding war schon gut zerbombt. Ein paar Ausbesserungsarbeiten waren dringend notwendig, um den Trail auch fĂŒr AnfĂ€nger weiterhin sicher betreiben zu können.

Irgendwann gingen dann die ersten Bilder des reparierten Trails in den einschlĂ€gigen Whatsapp Gruppen um, gepaart mit sachlicher und unsachlicher Kritik an den Reparaturen. Da ich mir gerne selber ein Bild der Lage machen, bevor ich mich zu etwas Ă€ußere, habe ich mir selber ein Bild machen wollen und ich war irritiert.

Die Anfahrt zum Trail

Um in den eigentlichen Trail zu starten, muss man erst eine kleine Anfahrt absolvieren. Hier fÀllt einem gleich der frische Schotter auf. Der ist an dieser Stelle aber nicht weiter kritisch, denn hier lag schon seit vielen Jahren eine kleine Ladung von diesem Teufelszeug. Aber das stört noch nicht.

Die Anfahrt zum XC-Kurventrail, jetzt frisch geschottert.

Der untere Teil ist witterungsbedingt derzeit eigentlich unfahrbar. Der Boden ist weich, daher versinkt man recht flott im Schlamm. Hier mĂŒssen wir Biker uns an die Nase packen und solche Trails derzeit meiden, bis es wieder trockener wird. Die Schlammbecken zu umfahren bringt nichts, denn so wird die PfĂŒtze nur noch grĂ¶ĂŸer.

Einstieg in den Kurventrail

Und dann ist da der Einstieg. Damals, eine kleine Kuppe die man springen konnte, oder der normale Einstieg. Hier wurde der Einstieg begradigt und mit Beton befestigt. Puh, da hab ich erstmal dicke Backen gemacht. Denn uns Mountainbikern wirft man ja stĂ€ndig vor, wir wĂŒrden die Natur schĂ€digen, Wurzeln freilegen und alles zersĂ€gen und verbauen, was nicht bei 3 auf dem Baum ist.

Und dann finde ich einen mit Beton befestigten Einstieg in einen Trail. Das hĂ€tte ich mir naturnaher gewĂŒnscht, denn Beton gehört meiner Meinung nach nicht auf einen Trail. Auch ist die bekannte Linie, die sich ĂŒber Jahre gebildet hat, nun weg.

Erste Kurve + Rechtsanlieger

Und hier habe ich zum zweiten Mal dicke Backen gemacht. Man kommt nun von oben an, bremst vor dem Eingang kurz runter und muss dann mit Schwung in die erste Linkskurve. Doch den Biker erwartet in der Linkskurve eine geschotterte Piste mit nach rechts abschĂŒssigem Trail.

Hier empfinde ich ein gewisses Sturzpotenzial. Denn durch den Schotter ist die Bodenhaftung reduziert und der abschĂŒssige Trail trĂ€gt auch nicht zur Entspannung bei. Wenn ich mir das Foto ansehe, sieht es sogar so aus, als sei hier schon nein Hinterrad auf Abwegen gewesen.

Ich hĂ€tte mir hier gewĂŒnscht, dass man rechts etwas mehr fĂŒr die Hangbefestigung getan hĂ€tte. Vielleicht hĂ€tte man die natĂŒrlich Line auch etwas vertiefen können, damit man mehr FlĂ€che fĂŒr den Reifen hĂ€tte. Aber das Ganze wĂ€re sicher nur halb so wild, lĂ€ge hier kein Schotter.

Auch habe ich das GefĂŒhl, dass die Anlieger jetzt nicht mehr so hoch sind, wie frĂŒher. Als hĂ€tte man den Trail einfach mit Schotter aufgefĂŒllt. Er wirkt auch deutlich breiter.

Vor dem ersten Linksanlieger

Kommt man aus dem ersten Anlieger heraus, warten betonierte Steine auf einen. Das finde ich tatsĂ€chlich eine gute Idee. Der wertet den Trail doch ein wenig auf, wobei ich mir nicht sicher bin, ob der Einsatz von Beton hier notwendig gewesen ist. Vielleicht hĂ€tten grĂ¶ĂŸere Steine und ein festerer Boden + ein intelligentes Abwassersystem hier eine naturnĂ€here Reparatur möglich gemacht.

Anlieger links

Hat man die Steine passiert, kommt der nĂ€chste linksanlieger. Auch er ist gefĂŒhlt nicht mehr so hoch wie frĂŒher und ist nun mit einer dicken Portion Grobschotter ausgestattet. Das ist nicht okay, denn Schotter ist nie okay!

Aus dem Anlieger raus in die Abfahrt

Wie schon erwĂ€hnt, ist der Trail nun deutlich breiter und rutschiger, als zuvor. Nach dem Linksanlieger geht es in eine kleine Abfahrt, welche ebenfalls geschottert wurde. AnfĂ€nger bremsen hier besser nicht. Der ZwischenstĂŒck ist wieder betoniert, was ich einfach nicht nachvollziehen kann.

Dieses StĂŒck hatte vorher eine natĂŒrliche, tiefe, Regenrinne, welche besonders fĂŒr AnfĂ€nger eine Herausforderung gewesen ist. Meiner Meinung nach hĂ€tte man hier den Trail lediglich „ausbaggern“ mĂŒssen, um die Rinne zu beseitigen. Zudem hĂ€tte man auch hier eine intelligente Lösung fĂŒr Regenwasser suchen uns installieren mĂŒssen.

So wird die Rinne zurĂŒckkehren und man hat vermutlich nichts gewonnen. Außer unter dem Schotter verbirgt sich noch mehr Beton.

GefÀhrliche Linkskurve

Jetzt kommt eine Stelle, die es auch vorher schon in sich hatte. Kommt man die Abfahrt herunter, nĂ€hert man sich einer Linkskurve mit kleinem Hang. Hier wartete damals eine PfĂŒtze. Die zwang einen immer zum bremsen und der Flow war dahin.

Wollte man der PfĂŒtze ausweichen, wurde man immer weiter nach außen getragen. Eine Ausbesserung ist als wirklich mal nötig gewesen. Was wurde gemacht? Die Strecke wurde mit Schotter aufgefĂŒllt und der Hang befestigt. Leider ist die Kurve jetzt aber nach außen abschĂŒssig, sodass die Gefahrenstelle lediglich verlagert wurde. Ich befĂŒrchte, hier wird es StĂŒtze geben.

Diese Ecke hĂ€tte das Potenzial gehabt, den Trail deutlich aufzuwerten. Denn wenn die Kurve zum Anlieger geworden wĂ€re, hĂ€tte das dem Flow nur gutgetan und man hĂ€tte genug Speed, um das folgende ZwischenstĂŒck entspannt abzurollen, bevor man wieder in die Angriffsposition gegen muss.

Dazu hĂ€tte man entweder Material aufschĂŒtten und befestigen mĂŒssen, oder man hĂ€tte die vorhandene Kurve etwas vertiefen mĂŒssen. Dann wĂ€re eine Drainage notwendig, um das Regenwasser abzuleiten und schon wĂ€re die Kurve entschĂ€rft und veredelt worden.

ZwischenstĂŒck

Kommt man nun aber aus der oben beschriebenen Kurve lebendig raus, komme ein frisch geschottertes ZwischenstĂŒck. Ich will das jetzt nicht schlechtreden, aber das ist wohl unnötig, denn vorher war das auch okay. Außerdem ist der Trail jetzt auch hier deutlich breiter.

ZwischenstĂŒck zum Rechtsanlieger

Am Ende des ZwischenstĂŒcks geht es wieder in einen Rechtsanlieger. Vorher wurde aber wieder mit Steinen und Beton gearbeitet. Ich bin kein Experte, aber wir werden sehen, ob das Bestand hat.

Rechtsanlieger

Der Rechtsanlieger war frĂŒher ziemlich zerbombt. Spaß hatte man hier nur mit großem Federweg, oder wenn man auf sowas steht. Das ist natĂŒrlich auch begradigt worden und auch der Anlieger ist, wie oben auch schon erwĂ€hnt, wohl nicht mehr so hoch wie vorher. Ich spreche daher auch bewusst von reparieren, denn mit shapen hat das hier ja nichts zu tun.

Der letzte Anlieger links

Das Spiel zieht sich bis zum Ende durch. Grober Schotter in den Anliegern, aufgefĂŒllte und verbreitete Trails. Da bildet der letzte Anlieger leider auch keine Ausnahme. Danach wird dann aber fĂŒr die letzten Meter gut. Hier scheint nichts gemacht worden zu sein und wenn, hĂ€tte ich es mir fĂŒr den Rest des Trails auch so gewĂŒnscht.

Mein VLOG zum XC-Kurventrail

Wenn Du Dir mal ein bewegtes Bild von der Sache machen willst, kannst Du mal einen Blick in meinen VLOG werfen. Aber sowohl Fotos, wie auch Videos, können den persönlichen Eindruck natĂŒrlich nicht ersetzten.

Fassen wir mal zusammen

Wie eingangs schon erwĂ€hnt, bin ich dem RVR sehr dankbar dafĂŒr, dass ich meinen Sport legal vor meiner HaustĂŒr ausĂŒben kann und darf. Das ist keine SelbstverstĂ€ndlichkeit und das hier etwas gemacht wurde freut mich.

Mich stört halt nur, dass hier anscheinend niemand mitgewirkt hat, der auch selber aktiv Mountainbike fĂ€hrt. Im Optimalfall sogar die Halde sein Homespot nennt. Mountainbiken hat viel mit Herz zu tun. Und wenn man einen Trail nicht fĂŒhlt, kann man auch nicht spĂŒren, wo ihm der Schuh drĂŒckt.

Dann kommt halt die 0 8 15 Wanderweg-Straßenbau-Crew auf die Halde und macht ihren Job. Legt trocken, bereitet den Boden vor, verbreitert den Weg, verdichtet und bedeckt den die LaufflĂ€che mit grobem Schotter, damit der Wanderer ein naturnahes GefĂŒhl hat, wenn er die Halde besteigt.

Leider soll hier niemand wandern…

Denken wir langfristig!

Der RVR hat ein Problem mit wilden Trails auf seinen Halden. In vielen FÀllen werden sie geduldet in einigen wird aber auch rigoros gerÀumt. Ich verstehe beide Seiten. Wie wird man dem Problem Herr? Entweder durch Verbote oder durch Angebote.

Verbote kann kein Mensch kontrollieren. Des Weiteren rĂŒhmt sich die Region ja auch Erholungsgebiet, versucht das alte staubige Steinstaubimage abzulegen und will jung, frisch, attraktiv sein. Da ist es sicher nicht gut, wenn man einem grade stark wachsenden Sport den Krieg erklĂ€rt.

Also mĂŒssen Angebote her. Wie ja bereits auf Hoheward geschehen und auf der Schurenbachhalde in Arbeit. Aber wenn man die Angebote dann nicht pflegt, oder kaputt pflegt, dann suchen sich die Biker wieder ihre eigenen Trails und der Wildwuchs wĂ€chst und entzieht sich der Kontrolle des RVR.

Können oder wollen?

Ich habe mir viele Gedanken gemacht, ob ich diese Reparaturen nicht gutheißen will oder kann. Denn im Moment sind wir alle sehr angespannt und jeder kleine Funke reicht aus, um in die Luft zu gehen. Aber ich bin mir im Klaren, dass ich die Arbeiten nicht Gutfinden kann. Denn sie sind meiner Meinung nach nicht gut durchdacht und somit letztendlich leider auch nicht gut umgesetzt worden.

Ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht, dass man hier auf die Locals zugekommen wĂ€re, um sich auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, etwas Schönes zu schaffen. Und wenn man den Kontakt tatsĂ€chlich gesucht hat, warum ist dann das dabei herausgekommen?

Eure Reaktionen unter meinem Video unterstreichen meine Meinung.