Vom Regen in die Traufe

Wir schreiben den 17.05.2021 und ich muss arbeiten. Soweit nichts Ungewöhnliches, aber dank Corona Pandemie arbeite ich im Homeoffice. Was mir fehlt, ist Bewegung und die hole ich mir von Zeit zu Zeit durch kleine Ausritte auf dem Bike. So auch heute.

Es war ein Montag und das Wetter spielte schon die ganzen Tage so verrückt. Regen, Sonne, Regen, Sonne, immer im Wechsel und immer überraschend. Das Regenradar zeigte ein paar trockene Stunden an und so entschloss ich mich, noch eine kurze aber knackige Feierabendrunde zu drehen.

Wo soll die Reise hingehen?

Am Rhein-Herne-Kanal entlang, bis zum Cranger-Kirmes-Platz. Dort weiter bis zur Resser Mark in Gelsenkirchen, dann in Richtung Halde Hoheward, kurz rauf, wieder runter und ab nach Hause.

Highlights der Tour?

Vermutlich die Resser Mark und die Aussicht auf Halde Hoheward. Eigentlich nix spektakuläres, Strecke + Höhenmeter halt.

Es geht los!

Ich starte am Stadthafen in Recklinghausen und biege auf den Weg Rhein-Herne-Kanal ein. Das Wetter scheint zu halten, die Luft ist herrlich und der Boden hat Gripp. Der letzte Schauer ist ein paar Minuten her und wie schon erwähnt, das Regenradar gab grünes Licht.

Ich bin nicht geschützt, denn ich nur meine wasserabweisende Vaude Jacke an. Bei der Wahl der Hose entschied ich mich für normale Mountainbike-Shorts. Ich rechnete mit Schlamm, wird schon nicht so nass werden.

Dunkele Wolken

Okay, hätte ich mit rechnen können. Kaum war ich auf Höhe des alten Hafenbeckens, tropften die ersten Regentropfen auf meine Sonnenbrille. Ja, Sonnenbrille. Frag nicht. Optimist 4 life!

Ich hatte mit ein paar Tropfen gerechnet, muss man immer mal mit rechnen, wenn man unterwegs ist. Doch die Tropfen wurden mehr. Und mehr. Auf dem Kanal tanzten kleine Einschläge von Regentropfen. Erst machten sie noch große Kreise, dann wurden sie immer kleiner. Warum? Weil sich die Menge an Regentropen exponentiell entwickelte!

Under the bridge!

Zu meinem Glück erreichte ich nach ca. 6 km eine Brücke am Steag Kraftwerk. Regelmäßige Besucher meines Blogs werden wissen, welches Kraftwerk ich meine. Gerade noch rechtzeitig, wie sich herausstellen sollte, denn jetzt brachen alle Dämme und der Himmel gab nochmal alles!

Wasser Marsch!

Da hatte ich aber Glück, denn hätte das Timing nicht gepasst, hätte ich mal mächtig den Hintern nass bekommen. Und wenn man so richtig nass ist, macht das Biken auch keinen Spaß mehr. Außer es ist Sommer und es hat 25 °C.

Ich erinnere mich da noch an eine Tour, 2017 mit den Guideless Guys, als wir im Sauerland unterwegs waren und es einfach den ganzen Tag nicht aufgehört hat zu regnen. Alle Regensachen hatten knallhart versagt und wir waren nass bis auf die Knochen.

Aber wir hatten Spaß und nur das zählt.

Kleiner Gedankenausflug ins Jahr 2017

Aber ich schweife ab. Ich wartete jedenfalls unter der Brücke und wartete, im wahrsten Sinne des Wortes, auf besseres Wetter. Gedanklich spiele ich schon „Ene, mene, muh“ mit der Richtung, in die ich fahren würde. Zur Auswahl standen: Der direkte Weg zurück, oder die Tour vollenden, egal wie nass es wird.

Als der Regen nachließ, entschied ich mich, meine eigentliche Tour weiterzufahren. Duschen und abtrocknen müsse ich ja eh und dann ist es egal, wie nass man wird. Also setzte ich meine Tour in Richtung Cranger-Kirmes-Platz fort.

Gedächtnis von 12 bis Mittag!

Ich sollte nicht weit kommen, denn schon nach wenigen Hundert Metern war meine Reise beendet. Der Weg, an der Schleuse Wanne-Eickel ist gesperrt. Vom 17.05.2021 bis zum 02.07.2021.

Darüber ärgerte ich mich schon ein wenig, aber viel mehr ärgerte ich mich über mich selber, denn ich war vor ein paar Tagen noch hier, habe das Schild gesehen, fotografiert und eine Meldung bei Komoot gemacht. „Achtung Schleuse ist gesperrt!“

Ja, sehr schön. Und dann fahre ich hier dennoch lang. Macht der Gewohnheit, möchte man wohl sagen, denn ich hätte mich schon daran erinnern können, das gesehen und für doof befunden zu haben. Na ja, geschenkt. Musste ich halt den Weg wieder zurück.

Wird heute nix, mit Resser Mark.

Viele Wege füren zur Halde

Ich entschied mich dann dafür, die Hertener Straße zu fahren. Nicht mein Favorit, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Mein nächstes Ziel: Die Halde Hoppenbruch und danach die Halde Hoheward. Dieser Weg war frei und fahrbar.

Ich näherte mich jetzt der Halde von der Südseite aus. Auf Höhe von Balkon 10 setzte ich zum Aufstieg an. Aber alles Piano, ohne Stress und Ambitionen. Ja, genau. Ein Pokal brachte mir diese Gelassenheit bei Strava ein. Platz 3 meiner persönlichen Bestleistung. So fühlte sich das aber nicht an.

Jetzt ging es rüber zu Balkon 9 und dann den langen Aufstieg, bis zum Gipfel der Halde. Kann man bei Halden eigentlich von Gipfeln sprechen? Ich mach das einfach mal.

Immer das Wetter im Blick behalten

Während ich die Halde befuhr, hatte ich immer ein Auge auf das Wetter gerichtet. Es schien aber zu halten und wenn, würde ich jetzt eh nix mehr ausrichten können. Der nächste Unterschlupf ist auf Zeche Ewald und überhaupt, bin ich aus Zucker?

Oben angekommen wurde ich wieder mit dem schönen Ausblick auf „mein Revier“ belohnt. Ich habe Dir hier mal ein paar Schnappschüsse in einer Galerie zusammengefasst:

Es ist und bleibt eine Freunde, hier oben zu sein. Solltest Du das noch nicht gemacht haben, komm mal vorbei. Wenn Du nicht grade aus Bayern, Österreich oder der Schweiz kommst, wirst Du es lieben.

Ich schoss noch ein weiteres Bild von meinem Rotwild und machte mich dann auf den Weg nach Hause. Am Ende des Tages standen 22,5 km auf dem Tacho und ich bin nicht so nass geworden, dass es unangenehm war.

Ein weiteres Bild von meinem Bike

Die Tour bei Strava