Und wieder eine Pause

Ich habe das Gefühl, meine besten Tage sind vorbei. Ständig habe ich irgendwelche Wehwehchen, ständig läuft was nicht so wie ich will, ich komme von den Kilos nicht runter und auch nichts aufs Rad. Nach meiner kleinen, geplanten, 3-wöchigen Pause im Mai lief es eine Welt ganz gut.

Kilometer für Kilometer holte ich mein Defizit wieder auf, sogar ein Gran Fondo war im Juni drin. Okay, der hat mich sehr viel Kraft gekostet und war vielleicht noch ein wenig drüber. Aber Veränderung findet immer nur außerhalb der Komfortzone statt.

Doch nun habe ich schon wieder 4 Wochen Pause in den Knochen. Aus heiterem Himmel hatte ich plötzlich Probleme mit der Schulter. Aber der Reihe nach.

Starke Beschwerden am 04.07.2021

Mir tat die Schulter nun schon ein paar Tage lang irgendwie weh. Warum? Konnte ich nicht begründen, ich hatte nichts gemacht, was ich sonst nicht auch machen würde. Ich war sportlich etwas zurückhaltender, habe nicht gerudert und war nach dem Gran Fondo auch eher bedacht, was meine Touren anging.

Tags zuvor hatte ich noch Brötchen mit dem Singlespeed geholt, alles ohne nennenswerte Probleme.

Heute machte ich aber eine kleine Mittagsrunde. Auf dem Rad wurden meine Beschwerden in der Schulter aber plötzlich sehr, sehr unangenehm. Damit hatte ich nicht gerechnet und so schleppte ich mich von Kilometer zu Kilometer.

„Wenn die Muskulatur erstmal warm ist, wird das schon“, war so mein Gedanke. Stimmte aber nicht. Egal, wohin ich den Arm legte, es tat weh wie die Hölle. Ein steckender Schmerz, von der Halswirbelsäule in die Schulter, bis in den Oberarm. Das hatte ich noch vorher noch nie.

Klarer, Fall, da werde ich mir was gezerrt haben. Wie auch immer ich das wieder geschafft habe.

Wieder zu Hause versuchte ich mir Linderung mit kühlender Salbe und Ruhe zu verschaffen, brachte aber alles nichts. Im Gegenteil. Es tat immer weh. Nur, wenn ich die passende Schutzhaltung fand, war es erträglich. Okay, sowas geht vorbei. Kann wohl mal passieren.

Ich schleppte mich durch die Woche, mal mit Kühlung, mal mit Hitze. Dem Muskel muss doch beizukommen sein. Aber es gab keine Besserung. Also entschied ich mich, meinen Hausarzt zu kontaktieren.

Erster Arztbesuch am 09.07.21

Nach einem ausführlichen Gespräch und einer eingehenden Untersuchung stand als erste Diagnose eine Muskelverhärtung im Raum. Ich bekam 3 Spritzen in die Schulter und war erstmal durch mit dem Thema. Tatsächlich wurden die Symptome in den nächsten Tagen auch deutlich besser. Die Scherzen wurden weniger.

Aber weg waren sie nicht. Sonntag sind wir dann zu einer kleinen Biergarten-Tour aufgebrochen, wenn meine Beschwerden waren auf ein Minimum reduziert. Doch sobald ich auf dem Rad saß, durchzog mich wieder ein stechender Schmerz. Vom Hals, bis in den Oberarm.

In den nächsten Tagen gönnte ich mir wieder Ruhr. Keine Touren, keine Liegestütz, kein Rudern. Die Schmerzen wurden besser und ich konnte auch langsam wieder Belastung auf die Schulter geben.

Später waren auch wieder Liegestütze möglich, welche ich aber nur in geringen Stückzahlen machte. Ich wollte ja die mögliche Genesung nicht gefährden.

Am 15.07. musste ich kurz zu einem anderen Arzttermin und nutze dafür wieder das Singlespeed. Sofort waren auch die Schmerzen wieder da und so entschied ich mich, das nochmal vom Arzt checken zu lassen.

Zweiter Arztbesuch am 16.07.21

Okay, das Muskuläre Problem schien wieder okay zu sein. Eine Sehne oder einen Nerv hatte ich mir anscheinend auch nicht eingeklemmt, aber mein Hausarzt war mit seinem Latein am Ende. Er verschrieb mir Stunden für Physiotherapie.

Ein kleines Wechselbad der Gefühle für mich. Einerseits war ich froh, dass wir noch nicht am Ende der Diagnostik angelangt waren, andererseits stand auch unser Sommerurlaub vor der Tür, welchen wir recht aktiv geplant hatten. Das Fahrrad spielt dabei eine zentrale Rolle und ihr wisst ja jetzt, wer derzeit nicht fahren kann.

Ich machte mich also auf die Suche nach einer Praxis und wurde „bei mir um die Ecke“ fündig.

Erste Physiotherapie am 24.07.21

Ich war schon ein wenig aufgeregt, denn ich war noch nie beim Physio. In meiner Sportler-Bubble auf Twitter sind viele Leute ständig bei Ihren Physios und die können wohl auch Wunder bewirken. Ich hoffte auf ein „Och, ja, hier!“ Moment mit „2x-drehen-1x-ziehen-4x-knacken-alles-wieder-gut“ Effekt.

Na ja, so war es leider nicht. Mein Physio verschaffte sich erstmal eine Übersicht meiner Baustellen und beeindruckte mich recht schnell mit seiner Fähigkeit, mir meine Wehwehchen der Vergangenheit anhand meiner Knochen abzufragen. „Hast Du das schon mal gehabt?! – „Ja, woher weißt Du?“ – „Sehe ich an der Stellung Deines XY-Knochens!“ Okay, wow, das hat mich beeindruckt.

Er nahm sich Zeit, checkte mich echt gründlich durch, machte diverse Übungen mit mir, erklärte mir jeden Schritt, knackte mal hier, knackte mal da, renkte diverse Wirbel wieder ein und fand die Stellen, die für meinen Schmerz verantwortlich sind.

Abschließend stellte er einen Schlachtplan für die nächsten Wochen zusammen, sogar mit Hausaufgaben. Unsere erste Session endete mit einem getapten Rücken und ein paar Übungen, um meine Haltung zu korrigieren.

Laienhaft ausgedrückt, sorgt meine Schonhaltung nämlich dafür, dass ein Muskel den Sauberen Lauf der Nervenbahn beeinträchtigt, sobald ich mich in eine gewisse Haltung auf dem Rad begebe. Das konnten wir auch auf der Liege rekonstruieren.

Motiviert verließ ich die Praxis und ich hatte schon das Gefühl, dass die Radfahrt auf dem Heimweg deutlich besser verlief, als noch der Hinweg.

Update vom 31.07.2021

Meine erste Therapiestunde ist nun eine Woche her und es hat sich viel verändert. Schon auf dem Weg nach Hause ist mir aufgefallen, dass meine Haltung auf dem Rad nicht mit dem getapten Rücken vereinbar ist. Das zog sich dann über den Bürostuhl vor dem Rechner, die Sitzeinstellung im Auto und die Liegeposition im Bett durch.

Alles war auf meine Schonhaltung eingestellt und musste korrigiert werden. Sehr spannend. Die Übungen, die ich mitbekommen hatte, führte ich akribisch durch. Eine leichte Verbesserung stellte sich auch schon ein. Wir waren ein paar Tage im Urlaub und hatte die Räder dabei.

Eine kleine 15 km Tour war auch wieder möglich, wenn es auch am Ende etwas schmerzhaft wurde.

Aber ich bin dankbar für jeden Meter, den ich fahren kann, denn das Radfahren ist und bleibt mehr als nur ein Hobby. Mich ärgert natürlich besonders, dass die ganzen Touren und Kilometer, die ich für dieses Jahr hatte, in Gefahr sind. 5000 km wollte ich fahren. Aber das Ziel scheint derzeit wieder nicht erreichbar.

Heute war dann die zweite Therapiestunde dran. Die Ergebnisse der ersten Woche waren gut und es gibt nun neue Hausaufgaben für mich. Ich spüre deutlich, wie mir die Behandlung guttut und wie sie mich motiviert. Auch zeigt man mir Muskeln auf, von denen ich noch nie gehört habe, obwohl sie schon immer vorhanden waren.