Achillessehnenabriss – Ein Jahr danach

Heute vor genau einem Jahr ist es passiert. Aus heiterem Himmel riss ich mir die Achillessehne ab, als ich ein Foto von meinem Rad machen wollte und es durch einen Windstoß umkippte. Durch einen beherzten Satz nach vorne wollte ich es retten. Böser Fehler, wie sich herausstellen sollte. Was folgte, war ein Rettungswageneinsatz, eine Operation, viele anstrengende und auch schöne Stunden.

Die ganze Geschichte muss ich nicht noch einmal erzählen. Ich habe das im vergangenen Jahr sehr häufig gemacht und machen müssen, bzw. dürfen. Aber in diesem Beitrag möchte ich mal den aktuellen Stand dokumentieren.

Die Familie

Ohne meine Frau wäre ich aufgeschmissen gewesen. Soviel steht mal fest. Angefangen von der Motivation, über die Unterstützen mit Taxifahrten, bis hin zur Hilfe beim Verbandswechsel und in der Dusche. Ohne meine Familie wäre ich aufgeschmissen gewesen. Danke! <3

Die Community

In den Tagen und Wochen nach dem Unfall habe ich durch meine Community viel Liebe und Unterstützung erfahren. Mich erreichten zahlreiche Nachrichten mit verschiedensten Inhalten. Viel Trost und Zuspruch war dabei, viele wollten wissen, was passiert war und auch einige Kontakte waren dabei, die selber schon eine Achillessehnenruptur, also eine Durchtrennung der Achillessehne erlebt hatten.

Diese Kontakte waren pures Gold! Denn nichts ist so beruhigend, wie sich mit Betroffenen auszutauschen, welche alle schon den gleichen Weg gegangen sind, der mir nun bevorstehen würde. Vielen Dank daher an jede/n von Euch, mit dem ich Kontakt hatte!

Was geht / Was geht nicht?

Ich sage immer, dass 90 % aller Dinge, die ich vorher konnte, jetzt auch wieder möglich sind. Natürlich lässt sich das nicht genau in Zahlen erfassen, weil wer weiß schon genau, was vorher alles ging? Meinen Alltag meistere ich wieder komplett alleine.

Oft gibt es den Moment, wo ich versehentlich etwas Neues entdecke und es dann freudestrahlend meiner Frau zeige. Neulich fiel mir z.B. auf, dass ich wieder auf der Stelle hüpfen kann. Natürlich musste ich das meiner Frau sofort zeigen und dass wir dabei auf einem vollen Supermarktartplatz standen, war mir in diesem Moment egal.

Also steht da ein erwachsener Mann vor seiner Frau und sagt: „SCHAU MAL, WAS ICH WIEDER KANN!“ und beginnt dann auf der Stelle zu hüpfen. Mögen sich die Passanten ihren Teil gedacht haben, aber ich war happy!

Und obwohl ich mich eigentlich nicht beklagen kann und die Grenzen des Machbaren täglich weiter nach hinten verschoben werden, merke ich nach wie vor, dass ich Einschränkungen habe. So fällt es mir immer noch schwer, Treppen herunterzugehen. Das liegt vermutlich daran, dass ich nach wie vor nur (vielleicht) 70 % Kraft im rechten Unterschenkel habe?

Auf Zehenspitzen stehen, geht auch noch nicht. Wenn ich mit beiden Beinen auf Zehenspitzen stehe, funktioniert das schon, aber das gesamte Körpergewicht auf einem Bein hochstemmen, ist noch nicht wieder möglich.

Lange Strecken laufen, ist mit der Zeit auch anstrengend. Ich spreche dann immer von „Schlagseite“, denn man sieht deutlich, dass ich nicht mehr gerade laufen kann, anfange zu humpeln und vom Kurs abkomme. Auch hier ist festzuhalten, dass die Distanzen jeden Tag größer werden. Aber ich merke sofort, wenn ich mal ein paar Tage nicht viel gelaufen bin.

Rennen ist nach wie vor nicht möglich. Mittlerweile gelingt es mir, ein paar Meter zu joggen, weil die Kraft zum Abstoßen ja aus dem Oberschenkel kommt und der Unterschenkel gerade genug Kraft aufbringen kann, um den Absprung zu koordinieren. Aber an ein Wettrennen ist nicht zu denken.

Schwimmen funktioniert zwar auch schon sehr gut, nach einer Stunde muss ich aber meist gegen Krämpfe ankämpfen und dann werden die letzten Bahnen natürlich anstrengend.

Sonst lasse ich keine Gelegenheit aus, mich auszuprobieren. Rollt ein Ball vorbei, wird Fußball gespielt. Mein Passspiel war mal besser, aber das Ballgefühl kommt zurück. Dinge mit dem Fuß aufheben klappt auch wider besser. Liegt Wäsche oder ein Handtuch auf dem Boden, wird es schwungvoll mit dem Fuß hochkatapultiert. So will es das Gesetz.

Wie klappt das Radfahren?

Auch beim Radfahren habe ich noch Einschränkungen. Fahre ich z.B. mit Klicks, wird der Unterschenkel sehr stark belastet. Gut so, denn das Training habe ich bitter nötig. Aber ich bin froh, Wechselpedale zu fahren. Denn hier kann ich bei Bedarf auf die Flat-Seite wechseln. So kann ich den Fuß auf längeren Distanzen aus dem Klick befreien und ausruhen.

Im Juni bin ich meinen ersten Grand Fondo seit einem Jahr gefahren. In Begleitung von He_Glu haben wir im Rahmen der Extraschicht eine tolle Runde gefahren. Im Juli habe ich gleich noch einen nachgelegt und bin wieder 100 km Plus gefahren.

Auch auf dem Mountainbike wird es wieder besser. Ich stehe sicherer, kann längere Trails fahren und auch beim Uphill kommt langsam aber wieder Freude auf.

Hier mal ein Schnappschuss aus 2018. So sah das auch schon mal aus. Kein Vergleich zu heute. Damals noch mit Schuppenflechte und im Regen.

Wie geht es weiter?

Kurz gesagt: üben, üben, üben! Ich stehe auch weiterhin regelmäßig vor meinem Schreibtisch, balanciere mit den Fußballen auf Büchern, stehe auf einem Bein und versuche stets mein Schrittziel vom Vortag zu übertreffen. Letzteres ist leider etwas eingeschlafen, denn ich neige schnell dazu, mich auf dem erreichten auszuruhen.

Aber es muss noch weitergehen, der Weg ist noch lang und ich brauche zwei gesunde Beine, um ihn zu gehen.