Erste Ausfahrt 2022

Nachdem ich am 31.12.2021 den letzten Urlaubstag genutzt hatte, um eine Art von „Back vor der Tür“ Runde mit meinen Nachbarn Patmen und Sim_on_bike zu drehen, waren heute die ersten Kilometer vor der Haustür fällig. Nach der Arbeit lag ich antriebslos auf der Couch und kämpfte wieder mit mir selbst. „Gehe ich raus, Radfahren? Oder gehe ich auf den Rollentrainer, Kondition tanken!“

Der Rauswurf

Noch während ich alle Möglichkeiten des Pro und Contrad durchdachte, sprach mich meine Frau mit klarer Ansage an: „ZIEH DICH AN UND GEH RADFAHREN!“ Huch?! Aber warum? „DU NERVST MICH!“ Okay, die Ansage war eindeutig. Ich hatte den inneren Kampf mit mir wohl doch nicht so innerlich ausgetragen, wie gedacht.

Also suchte ich meine sieben Sachen zusammen, ich war ja ewig nicht mehr um diese Uhrzeit draußen unterwegs und beim letzten Mal, war es auch noch hell! Lampen? Waren alle noch geladen, Thermoshirt? Am Start! Hose? Ja, da habe ich was Feines im Schrank. Eine Protective-Sports Radhose „Protective P-Longpant„. Die darf ich testen, aber dazu in einem anderen Beitrag mehr. Also Shirt, Hose, Socken, Schuhe, Jacke, alles klar, wir können starten. STOP, wo ist meine Sturmhaube?! Man merkte kaum, ich war lange nicht mehr unterwegs.

Das Bike meiner Wahl war das Hardtail. Klar, das Enduro ist zu schwer und das Gravel ist im Rollentrainer eingespannt. Los ging es, ohne richtiges Ziel, einfach mal gucken, wohin mich die Beine tragen. Wohin und wie weit, vor allen Dingen wie weit…

König-Ludwig-Trasse in Richtung Datteln

Ich fuhr in Richtung König-Ludwig-Trasse. Die hatte ich in den letzten Tagen häufiger mal auf dem Rollentrainer gefahren und eigentlich wollte ich runter von der Straße und wissen, ob es sich vergleichen lässt. Also Rollentrainer und Echte Strecke. Kurze Randbemerkung. Es ist übrigens ein total seltsames Gefühl, wenn das Rad sich beim Trampeln plötzlich wieder bewegt. Der Rollentrainer steht ja fest und bewegt sich nicht. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Egal, ich fuhr also zum Eingang der Trasse auf der Orthlostraße und dann in Richtung Datteln.

Die 5,8 km gingen mir leicht von der Hand. In der Vergangenheit hatte ich immer eine relativ niedrige Trittfrequenz. Schwerer Gang, 60 Umdrehungen die Minute, ging alles. Als ich mich begann, mit Trainingsplänen für den Kickr Core zu beschäftigen, bin ich immer wieder auf Trittfrequenzen von 80 bis 120 U/min gestoßen und dachte schon bei mir: „WER fährt sowas?!“ Na ja, ich habe gemerkt, dass ich auf dem Rollentrainer schon mehr Gas gebe als vor der Tür und mittlerweile kommen deshalb auch andere Trittfrequenzen bei zusammen. Als ich mir für diesen Beitrag die Zahlen mal angesehen habe, war ich schon verwundert:

Durchschnittliche Trittfrequenzen U/min

  • Letzte Tour, vor meinem Unfall: 49
  • Letzte Session auf dem Kickr Core: 71
  • Die heutige Tour: 64

Da ist noch Luft nach oben, aber dass mir das Training auf der Rolle wirklich so viel bringt, hätte ich nicht erwartet. Zurück zur eigentlichen Geschichte.

Die 5,8 km der Trasse gingen mir leicht von der Hand. Die IXON Space sorgte für gute Ausleuchtung und wenn ich alleine war, schaltete ich meine Sigma Buster 2000 HL ein. Hätte sie eine Sprachsteuerung, ich würde sie mit den Worten: „ES WERDE LICHT“ steuern!

Am Ende der Trasse angekommen, hatte ich 7,8 km auf der Uhr und hielt kurz an. Ich wollte meine Community mit einer Insta-Story an meiner Tour teilhaben lassen und schoss dazu ein paar Fotos.

Geschossen am Ende der KLT

Weiter zur Fotosession

Mein nächster Halt war gleich um die Ecke. Wo ich schon mal hier war, könnte ich auch versuchen, die Protective-Hose etwas für den folgenden Blogbeitrag in Szene zu setzten. Ich erinnerte mich an eine kleine Bank, die dafür vielleicht gut infrage kommen würde.

Im Dunkeln ist es immer schwierig Fotos von Produkten zu machen und die dann auch noch gut dabei aussehen zu lassen. Aber ein Versuch war es wert und so entstand auch das folgende Bild.

Protective-Sports Radhose P-Longpant in Szene setzten

Aber es soll heute nicht um die Hose gehen, sondern um meine erste Tour. Also weiter geht es in Richtung Emscher.

Ab zur Emscher

Vor einigen Tagen habe ich noch gelesen, dass die Emscher jetzt komplett Abwasserfrei ist. Eine gute Nachricht für die Region und ganz besonders für alle die Menschen und Tiere, die in der unmittelbaren Nähe der Emscher wohnen. Leider sind noch nicht alle damit verbundenen Baustellen abgeschlossen und so kommt es auf meinem Rückweg wieder zu Umleitungen und Sperrungen. Nervig, denn das war auch vor meiner Verletzung schon so. Aber gut, ich lasse mir die heutige Tour nicht vermiesen.

Mein nächster Halt ist nach insgesamt 10,8 Kilometern erreicht und ist Teil der Emscherkunst, die überall an der Emscher zu finden ist.

„Walkway and Tower“ vom Künstler Tadashi Kawamata

Ich halte kurz an, mache ein paar Fotos, trinke etwas warmen Tee und begebe mich dann weiter auf den Rückweg. Mittlerweile ist echt kalt geworden, aber ich bin gut verpackt und ein Schluck Tee wärmt zusätzlich von innen.

Nach Hause? Nein, Zugabe!

Die nächsten 2,9 Kilometer gehen an der Emscher entlang, über den gleichnamigen Emscher Weg, wieder in Richtung Recklinghausen. Ich erreiche den ersten Teil der König-Ludwig-Trasse in Höhe von Pöppinghausen. Eigentlich würde ich weiter der Emscher folgen, aber wie schon erwähnt, ist der Weg aufgrund von Bauarbeiten schon lange gesperrt.

Ich muss also wieder auf die König-Ludwig-Trasse und stehe dann vor der Wahl. Auf direktem Weg nach Hause? Oder gönne ich mir noch eine Zugabe? Auf dem Tacho stehen jetzt 13,6 km und ich habe noch Luft, also entscheide ich mich für die Zugabe und fahre die KLT in Richtung Rhein-Herne-Kanal.

Mir begegnen immer wieder Leute, komplett in Schwarz gekleidet, die ich trotz Sigma Helmlampe nur spät erkenne. Okay, ich habe die Leuchtkraft der Lampe auf Stufe 3 gestellt, sie ballert also nicht ganz so hart in die Nacht, aber dennoch ist es meiner Meinung nach unverantwortlich, sich hier so zu verstecken.

Nach weiteren 2,2 Kilometern sehe ich den Kanal, mein Herz geht auf und ich werde zum ersten Mal wieder emotional. Als ich zum ersten Mal auf dem Rollentrainer wieder Rad gefahren bin, habe ich hinterher vor Freude geheult wie ein Schlosshund.

Emotional am Kanal

Ich hatte schon die ganze Zeit so kleine „Anfälle“ von Emotionen, weil mir das Radfahren echt ne Menge bedeutet und ich endlich wieder selbstständig auf dem Rad unterwegs sein kann. Der Druck, die Sorge, all die Befürchtungen, dass 2022 nicht wie erhofft klappen könnte, ich mein Hobby vielleicht nur eingeschränkt ausführen kann, all das fällt von mir ab, als ich am Yachthafen vorbeifahre und den Kanal mit beleuchteter Schleusenanlage zu Gesicht bekomme.

Rhein-Herne-Kanal

Puh, erstmal durchatmen. Emotional und konditionell. Ich mache schnell ein paar Schnappschüsse, schnalle das Hip-Pack enger, denn es rutscht. Eine Woche mal auf die Ernährung geachtet. Top!

Ich überlege, ob ich auch kurz auf die Schleusenanlage fahren soll. Was soll schon passieren? Klar, wird sicher ein schönes Foto dabei herumkommen und es liegt auf dem Weg. Also fahre ich los. Je näher ich der Anlage aber komme, desto mulmiger wird mir. Total irrational, es war ja nicht diese Schleuse und ich bin doch auch wieder fit, habe den Segen meiner Ärzte und meines Physiotherapeuten, ich darf hier sein, ich darf Radfahren, mir kann nichts passieren!

Schleuse Herne-Ost

Und trotzdem ist es ein kalter Schauer, der mir über den Rücken läuft, als ich oben auf der Schleuse stehe. Fragt mich nicht warum, ich habe keine Ahnung. Wenn ich auf dem Rollentrainer virtuell an der Schleuse Wanne-Eickel vorbeikomme, habe ich das gleiche Gefühl. Diesem Dämon muss ich mich auch bei nächster Gelegenheit stellen, damit sich das nicht zu sehr einbrennt.

Aber vermutlich ist das auch nur eine Frage der Zeit, bis der Schauer verschwindet und ich wieder total entspannt die Schönheit der Schleusen im Revier genießen kann.

Schleuse Herne-Ost

Das Wetter ist fantastisch. Es ist trocken, kalt und die Luft ist fantastisch. Ich könnte noch Stunden weiter durch den Abend, bis in die Nacht hinein fahren, aber mit einem Blick auf die Uhr stelle ich fest, wir nähern uns den 20:00 und mit 16,9 km habe ich noch rund 6 Kilometer bis nach Hause. Das ist eine gute Distanz, die ich auch auf der Rolle schon recht anständig bewältigt bekomme, also alles im Rahmen.

Der Stadthafen und ab nach Hause

Es geht weiter den Kanal entlang, bis hin zum Stadthafen, wo in der Vergangenheit alle meine Touren für YouTube begonnen haben. Ich habe nochmal Zeit, über all das hier nachzudenken. Insta, YouTube, der Blog, ist das alles so gut? Macht mir das noch Spaß? Ja, macht es! Es sind Momente wie dieser, wo ich auf dem Rad schon weiß, wie der Beitrag dazu aussehen wird. Was ich sagen möchte, was ich Euch erzählen möchte. Das Schreiben geht mir dann hinterher sehr leicht von der Hand.

Wenn es dann noch jemandem von Euch gefällt, haben wir beide etwas davon.

Nach 22,65 km erreiche ich den sicheren Hof unseres Hauses. Geschafft. Meine erste Tour in 2022, vor der Tür, nach der Verletzung ist „in the books“. Nichts Spektakuläres, aber für mich ein riesen Meilenstein.

2022 kann komme, ich freue mich riesig auf das Jahr.

Bleiben wir also alle gesund!

Glückauf!

Die Tour bei Strava