Feierabendrunde Richtung Datteln

Heute bot sich mir wieder die Gelegenheit, eine kleine Feierabendrunde zu unternehmen. Ich hatte vor ein paar Tagen ein Posting auf dem Instagram-Kanal von BikeparkRuhrpott gesehen, wo ein Junge einen Pumptrack in Datteln befuhr. Das wollte ich mir doch mal persönlich ansehen.

Auch fiel mir während der Planung auf Komoot auf, dass ich meinen Weg auch mit dem Besuch einer Halde verbinden könnte. Also kombinierte ich das angenehme mit dem Nützlichen und machte mich auf den Weg in Richtung Datteln.

Mein erster Wegpunkt war der Einstieg in die König-Ludwig-Trasse. Im folgenden kurz KLT genannt. Ich bin hier mittlerweile relativ häufig unterwegs. Man könnte sagen, ich entdecke nach und nach diese Richtung meines Reviers, nachdem ich lange nur in Richtung Herten, Wattenscheid und Gelsenkirchen unterwegs war.

Das graue Ruhrgebiet

Beruflich telefoniere ich ja viel mit Menschen aus ganz Deutschland. Oft gibt es die Situation, dass wir etwas Zeit mit Smalltalk überbrücken müssen und dann kommt relativ schnell das Gespräch auf unsere Region. „Haben Sie da im Ruhrgebiet eigentlich auch Wälder oder sowas?“

Ja, so schaue ich dann auch immer. Es sollte doch mittlerweile jeder mitbekommen haben, dass sich das Ruhrgebiet neu erfunden hat. Klar haben wir noch Industrie und klar findet man hier an jeder Ecke irgendwas mit Bergbau, aber alles andere ist mittlerweile wunderschön grün.

Und so musste ich da eben auch dran denken, als ich das folgende Foto gemacht habe.

Ja, is schäbbig hier.

Mein Weg führte mich nun über die Dörfer in Richtung Datteln. Mal auch durch ein Wohngebiet, über Spielplätze, aber meistens doch über Land. Viele Höhenmeter bekommt man so nicht, aber darum ging es hier heute auch nicht. Ich wollte zum Pumptrack nach Datteln, welchen ich dann auch nach rund 15 Kilometern erreichte.

Alles da, was man braucht.

Hier war es brechend voll. Mir scheint, der Track scheint gut angenommen zu werden, so voll wie es hier war. Und du hast alles dabei. Roller, BMX, Dirt- und auch Mountainbikes. Ich hab mich mit meinem Rotwild mal nicht auf den Track gewagt, ich habe auch so schon genug Aufsehen erregt. Nicht aber, weil mich jemand „erkannt“ hat, sondern eher „was macht der Opa denn da mit dem Mountainbike“?

Was ich aber gesehen habe, gefiel mir gut. Der Track könnte sicherlich etwas länger sein. Aber sonst sieht es so aus, als sei hier an alle gedacht worden. Ein Toilettenwagen sorgt für Erleichterung, ein Spielplatz um die Ecke versorgt die kleinen Geschwister, während die große Schwester, oder der große Bruder seine Runden drehen kann. Und die Eltern? Na für die stehen Bierbänke zwischen Spielplatz und Pumptrack. Wenn ich das richtig gesehen habe, gibt es auch die Möglichkeit, eine Kleinigkeit an einer Art Kiosk zu erwerben.

Wer mehr braucht, kann ein paar Meter weiter oben kurz mal einkaufen gehen. Gefällt mir alles sehr gut. Das Durchschnittsalter vermag ich mal auf 10 – 13 zu schätzen. Ein paar Teenager (sagt man das noch) waren auch zugegen und sprengten schon den Altersdurchschnitt. Von mir mal ganz zu schweigen. Schöne Anlage!

Was mir negativ aufgefallen ist, vereinzelt liegen Plastikteller mit Rest Pommes und Currywurst auf dem Boden herum. Das muss nicht sein. Sollten auch die Kids wissen, aber das Thema kennen wir ja auch von Hoppenbruch.

Wer dem Track auch mal einen Besuch abstatten möchte, der sucht nach Stadtbad, 45711 Datteln. Der Track ist frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Aber wer da fährt, sollte nen Euro am Kiosk lassen, damit sich das irgendwie lohnt.

Auf zur Zeche

Gleich um die Ecke liegt die Schachtanlage 3/4 der ehemaligen Zeche Emscher-Lippe. Mein Fokus lag in erster Linie auf der Halde Emscher Lippe und da ich die Strecke erst kurz vor Aufbruch geplant hatte, hatte ich mich nicht richtig schlau gemacht, was mich dort erwarten würde. Nicht alle Halden sind ausgebaut wie Hoheward oder Hoppenbruch.

Ich erreichte mein Ziel nach weiteren 1,7 Kilometern. Also wirklich nur ein Katzensprung vom Pumptrack entfernt. Ich überquerte den Ölmühenbach (Siehe Beitragsfoto) und stand vor einem kleinen Aufstieg. Ich kletterte hoch und fand mich vor den Toren eines Bergbaumuseums und Bunkers wieder.

Bergbaumuseum und Zivilschutzbunker

Das gehört auch zum Ruhrgebiet dazu. Bunker und Blindgänger. Sie erinnern uns immer wieder daran, dass Frieden nicht selbstverständlich ist und wir manchmal für den Erhalt unserer Demokratie kämpfen müssen, wenn wir weiter in Frieden leben wollen.

Ich machte mich wieder auf den Weg, denn ich wollte ja noch auf die Halde rauf. Da rächte sich aber meine flotte Vorbereitung, denn das Pferd habe ich von hinten aufgezäumt. Augenscheinlich komme ich hier nicht weiter, denn die Halde lässt sich nicht von hier nicht mit dem Rad erkunden. Es sehr steil und lud mich nicht zum Experimentieren ein. Also ließ ich es sein und entschied mich, wieder auf den Hauptweg zu wechseln.

Dort führte mich mein Weg ja auch auf das alte Zechengelände, nur halt nicht auf die Halde. Im Nachgang stellte ich fest, dass es hier diverse Wege gibt, die Gegen zu erkunden. Ich muss daher nochmal hier hin, schätze ich. Ich werde davon berichten. Wenn Du Informationen zu der Geschichte von Zeche Emscher-Lippe haben möchtest, dann besuche doch bitte mal unsere Freunde von Halden.Ruhr.

Deutschland wohl berühmtestes Kohlekraftwerk

Auf meinem Weg zurück musste ich auch dem wohl berühmtesten Kohlekraftwerk Deutschlands vorbei. Datteln 4. Es erlangte Berühmtheit, weil es zunächst eigentlich nicht hätte gebaut werden dürfen und jetzt, trotz Kohleausstieg der Bundesregierung, noch ans Netz gehen soll. Es ist kompliziert!

Auf der einen Seite löst Datteln 4 drei 1960 gebaute Blöcke ab, beschert der Stadt sprudelnde Steuereinnahmen und ist wohl eines der modernsten Kohlekraftwerke der Welt. Auf der anderen Seite ist Kohle nicht zukunftsfähig nd es gibt Anzeichen, dass Datteln 4 nicht so umweltschonend ist, wie man es ursprünglich vorgerechnet hat.

Ich konnte jedenfalls recht nah ran und war nicht überrascht, hier eine regelrechte Festung vorzufinden. Uns trennte nur noch der Kanal.

Ich zeigte dem Kraftwerk noch rasch den Mittelfinger und machte mich dann auf den Heimweg. Ich hatte noch 17 Kilometer vor mir und mir fiel die Tour heute nicht besonders leicht. Eine Mischung aus mangelndem Training, unkontrollierter Gewichtszunahme im Homeoffice und blühenden Gräsern. Ich brauche Disziplin.

Kanal geht immer!

Ich suchte mir meinen Weg weiter am Kanal entlang, denn meine Navigation endete hier. Ich hatte mir diese kleine Feierabendtour nur bis hier geplant, denn den Rest kannte ich ja wieder auswendig. Mein weg sollte mich nun noch eine Weile an der Castroper Straße entlang führen, eine viel befahrene Bundesstraße und kein guter Ort für Radfahrer. Da hilft auch der gut gemeinte Fahrradweg nicht viel weiter. Aber ich habe es überlebt.

Am Schiffshebewerk ging es dann wieder zurück an den Rhein-Herne-Kanal und ab da ist alles Routine. Was mich aber sehr freut ist, dass man nun wieder vom Landschaftspark Burg Henrichenburg aus am Rhein-Herne-Kanal entlang in Richtung Recklinghausen fahren kann. Vor einigen Wochen musste man hier noch an die Emscher wechseln. Aber jetzt ist die Baustelle weg und man hat wieder freie Fahrt.

Kanalverkehr geht immer!

Und dann war nach 36,87 Kilometern auch schon wieder Schluss. Auf der einen Seite war ich froh, denn ich hatte echt mit der Luft zu kämpfen, auf der anderen Seite hätte ich auch gerne noch ein paar Stunden weiterfahren können.

Aber vielleicht erinnere ich mich ja morgen früh daran, wie das heute war und bekomme mal meinen Arsch aus dem Bett gehoben, um morgens wieder regelmäßig auf dem Rad zu sitzen. Der Waage gefällt das!